OB Boris Palmer will die Tübinger Innenstadt noch autofreier machen. Eigentlich ist sie das schon weitgehend, doch dem Rathauschef schwebt vor, auch das Univiertel entlang der Wilhelmstraße und das südliche Zentrum einzubeziehen. Parken soll überall kostenpflichtig werden, auch in den Teilorten. 30 Euro sollen Autobesitzer künftig monatlich berappen, wenn sie einen öffentlichen Parkplatz in Anspruch nehmen, obwohl nach dem Gebührenrahmen des Bundes Kommunen höchstens 30,70 Euro pro Jahr verlangen dürfen. Das ist Palmer aber so ziemlich egal, denn es dient ja einer guten Sache: dem Kampf gegen den Klimawandel. 
Boris Palmer hat die Sperrung der Mühlstraße für Autos von Mitte September bis Mitte November angeordnet, obwohl der Nutzen fragwürdig erscheint, denn auf den Umwegen müssen mehr Kilometer gefahren werden. Der OB verkaufte dem Gemeinderat seine Entscheidung durch die Hintertür und trickste ihn aus. Ein fragwürdiges Demokratieverständnis! Doch Palmer will ja nur Gutes: das Klima retten.
Palmer möchte auch die Holzbauweise in Tübingen bis 2030 zur Pflicht machen und andere Baumaterialien verbieten. Inzwischen gibt es überall Rauchverbote. Die Grüne Bundestagsfraktion forderte schon im September 2012 ein Verbot von Motorrollern. »Limonaden-Verbot an Schulen« forderte Renate Künast schon mal in der »Ärzte-Zeitung«. Ein »Verbot von Heizpilzen« wollten die Grünen in Hamburg, Koblenz, Berlin und München durchsetzen. »Paintball« sollte ebenso verboten werden, wie einschlägige Computerspiele.
Die Bremer Grünen-Fraktion forderte das »Verbot des Ponyreitens für Kinder«, die Düsseldorfer Grünen 2016 ein »Verbot von Weihnachtsbäumen«. Für ein »Verbot von Deutschlandfahnen« setzte sich die Grüne Jugend während der Fußball-Europameisterschaft 2016 ein, für ein »Verbot von Geländewagen« die schweizerische Grüne Jugend. Ein »Verbot der Haltung von Delphinen, Bären und anderen Tieren im Zoo« forderten die Grünen-Bundestagsfraktion sowie mehrere Grünen-Stadtratsfraktionen, gleichzeitig unternahm die Grüne Jugend den Vorstoß, die erste Klasse in der Bahn zu verbieten. Die Grüne Jugend will zudem die Ehe als staatliche Institution verbieten, vermutlich allerdings die von Heterosexuellen, denn für Homosexuelle wollen die Grünen sie fördern. Der Grüne Bezirksbürgermeister von Berlin-Mitte, Stephan von Dassel, forderte 2016 das »Verbot des Biertrinkens in der Öffentlichkeit«. Weitere grüne Forderungen: die Kommunen sollten Behinderten und Pflegebedürftigen sexuelle Dienstleistungen von Prostituierten zugänglich machen und bezahlen. Ferner: Verbot von Fleisch, Verbot von Kurz- und Langstreckenflügen, Verbot von Verbrennungsmotoren, Verbot herkömmlicher Toiletten, die nach Geschlechtern trennen.
Es stellt sich die Frage, was den Fortbestand einer offenen und freien Gesellschaft mehr gefährdet: die reale Bedrohung im Einzelfall oder deren Sanktionierung durch politische Mobilisierung. Wenn ein System unter dem Überlebensgesichtspunkt der »ökologischen Frage« jeden öffentlichen und privaten Entscheidungsprozess bewertet, überwacht und gegebenenfalls mit Verboten maßregelt, ist das totalitär. Ebenso wie die Partei, die »im Namen der Natur« immer Recht haben will. 
Der einstige Oberrealo Palmer sollte sich vorsehen, bevor er ins, vorsichtig formuliert, fundamentalistische Fahrwasser rutscht. Die Sympathien (und Mehrheiten) holte er sich bislang vor allem im bürgerlichen Lager. In Sachen Mühlstraße und Parkraumbewirtschaftung schlägt ihm derweil ob seines Gebarens heftige Kritik entgegen: aus den Ortschaftsräten, vom Handels- und Gewerbeverein, aus den Stadtratsfraktionen, nicht zuletzt aus der Bevölkerung. Dass Klimapolitik wichtiger denn je ist, steht außer Zweifel. Doch in der Frage des Überlebens gibt es viele gute Antworten, die sich in Gesprächen und Debatten herausfinden und dann in Gremien zu Ergebnissen formen lassen. Dieses Prozedere hat in unserer (politischen) Kultur gute Tradition.