Es ist ein Thema, das schier unerschöpflich ist, weil es viel mit der Natur des Menschen zu tun hat. Es geht um den täglichen Müll, der schnell verursacht und, wie man weiß, noch schneller verurteilt wird. Die Universitätsstadt Tübingen gilt wohl nach wie vor als nicht gerade sauber, was nicht nur den Bürgern missfällt, sondern auch Oberbürgermeister Boris Palmer ist längst ein Dorn im Auge, dass Straßen und Plätze verdreckt sind.
Dem will man nun ganz gezielt entgegentreten. Zunächst sind erheblich mehr Mülleimer aufgestellt und auch wesentlich öfter geleert worden. Es ist sogar von einer Spätschicht die Rede und größeren Eimern an Brennpunkten wie am Bahnhof oder an der Neckarbrücke.
Das sollen aber nur erste Maßnahmen zur Verminderung des Mülls gewesen sein. Vermeidung ist auch hier das Prinzip und weil man in der Unistadt ganz neue Wege gehen will, wird über eine Verpackungssteuer nachgedacht. Becher, Tasse, Teller, Wegwerfgeschirr also, sollen mit einem Obolus belastet werden, und weil sich mit der Frage der Grüne Punkt nicht befasst, könnte die Kommune eine Verpackungssteuer erheben. 50 Cent für den Becher, ein Euro für den Plastikteller zum Beispiel. Der Gesetzgeber verlangt allerdings von der Stadt, dass die Maßnahme Lenkungswirkung haben muss.
Ganz unbeleckt sind die Tübinger beim Reduzieren von Müll nun auch wieder nicht. So hat sich vor zwei Jahren ein Aktionsbündnis gegründet »tü go – besser bechern« (das Schlagwort gehörte eigentlich auch gleich auf den Müll). Rund 20 Anlaufstellen bieten im Stadtgebiet einen Preisnachlass auf Getränke, wenn der Trinker den Becher mitbringt. Darüber hinaus sind, wird versichert, 3 000 Mehrweg-Becher verkauft worden  – das Projekt soll zu einem Becherprojekt mit Pfand ausgebaut werden.
Und es klingt schon heimelig genug, wenn man in Tübingen über das »Tübinger Tütle« als Alternative zur herkömmlichen Plastiktüte spricht. Damit die Tübinger Neubürger sich darauf einstellen können, bekommen sie eine Tüte aus 100 Prozent recyceltem Altpapier zum Einstand (mir käme das nicht in die Tüte).
Und: Eine Gruppe von Studierenden beschäftigt sich mit dem Projekt »tü go - ReCycle«, das den Einsatz von Mehrweggeschirr ermöglichen soll. Und damit nicht die leeren Pizzaschachteln die Mülleimer verstopfen oder aus Not auf den Boden gelegt werden müssen, könnte ein Beispiel aus dem schweizerischen Schaffhausen in Tübingen Schule machen. Dort werden in einem Gestell die Schachteln ganz einfach gestapelt.
Und nun? Bis zum Herbst will man sich in Tübingen darüber klar werden, wie es in Sachen Müllvermeidung weitergehen soll. Leider kann die vorbildhafte Maßnahme, zu der sich seinerzeit die Forstdirektion durchgerungen hat, nicht übertragen werden. Die Behörde hatte nämlich allen Besuchern des Schönbuchs auferlegt, dass sie allen Müll, den sie verursachen, gefälligst wieder mit nach Hause nehmen.