Daran hätten die Stadt Tübingen und die Bauherrn vom Sudhaus wohl nicht gedacht. Lange hat man um einen Erweiterungsbau gekämpft, dann hat die Stadt zunächst einmal 3,2 Millionen Euro genehmigt. Im November des vergangenen Jahres war dann aber offensichtlich geworden, dass das Geld hinten und vorne nicht reichen würde. Auch dabei ließ die Stadt das Sudhaus nicht hängen und legte noch einmal drei Millionen drauf. Das hätte es nun sein können
– hätte. Überteuerte Angebote bei den Ausschreibungen haben am Ende dann doch das Fass zum Überlaufen gebracht. Weitere 1,2 Millionen Euro wären zusätzlich nötig, um erfolgreich den ersten Spatenstich in diesem Frühjahr zu setzen. 
Und weil ein Unglück nicht ausreicht: Für die Erd- und Rohbauarbeiten hatten, so heißt es, 14 Firmen die Unterlagen abgeholt. Angebote abgegeben haben aber gerade zwei von ihnen, eines davon war unvollständig, das andere dafür aber, wie es heißt, »dramatisch« überhöht.

Das war dann doch zu viel für die Stadt. Sie stoppte den Baubeginn und will die Gewerke neu ausschreiben.
Damit war alles von der Rolle, Baubeginn und Eröffnung werden jetzt zunächst einmal um ein Jahr verschoben.
Natürlich war sich die Verwaltung im Klaren, dass sich mit der Verlegung des Baubeginns das finanzielle Problem nicht gelöst werden kann. Die Preise werden auch in einem Jahr so hoch sein, dass man sich überlegen muss, ob man die Pläne nicht straffen muss.

Das wäre schade, denn das Sudhaus geht jetzt in sein 30. Jahr, seit die Stadt die ehemalige Möbelfabrik der damaligen Sozialkultur überließ. Der Schritt vor 30 Jahren hatte am Ende dazu geführt, dass der Verein sich immer mehr von Abhängigkeiten befreien konnte und ein Programm anbot, das auch bei Besuchern immer mehr Beachtung fand. Dass die Räumlichkeiten am Ende zu eng wurden, war fast logisch. Fast ebenso logisch war, dass die Nachbarn in der Gartenstadt jenseits der B 27 es nicht mehr hinnehmen wollten, dass die Fahrzeuge der Besucher ihnen die Straßen zustellten. Vom nächtlichen Lärm wollen wir jetzt nicht reden. 
Deswegen hatte die Stadt ihre liebe Müh und Not, den Nachbarn die Erweiterung verständlich zu machen. Deswegen hatte man nicht nur den Terracotta-Händler vertreiben müssen. Die Kommune bot auch an, an dem frei werdenden Platz ein Parkdeck zu bauen, um so etwas Ordnung ins Umfeld zu bringen.
Und jetzt soll schon wieder alles auf der Kippe stehen? Man kann den Bauunternehmen, auch wenn es einem nicht passt, wohl kaum den Vorwurf machen, dass sie ihre Preise in Zeiten des Mangels in die Höhe geschraubt haben. Oftmals wird es aber nicht dabei bleiben, oftmals bauen sich neue unerwartete Hürden auf, die das Projekt gefährden können.
Das wollen wir wirklich nicht hoffen.