Gut Ding muss Weile haben. Das sagen sich gerade die Tübinger, und dieses Mal muss man ihnen zubilligen, dass sie gut daran tun. Immerhin reden wir von rund 200 Millionen, die in der Unistadt selbst anfallen, wenn die Bahn vom Hauptbahnhof über die Neckarbrücke auf den Schnarrenberg fahren soll (im Endausbau geht es sogar über den Nordring zum Technologie- und Wissenschaftspark). Wir reden noch gar nicht davon, was die Ertüchtigung der Strecken zwischen Bad Urach und Herrenberg kosten wird. Der Zeitplan zeigt schon, dass man es sehr genau nehmen will: Vergangene Woche wurden die Planungen dem Gemeinderat vorgestellt, in dieser Woche waren die Bürger dran, am 12. Oktober soll in einer Podiumsdiskussion über das Für und Wider gesprochen werden, 2019 sollen Ideen bei einem Workshop gesammelt und diskutiert werden und schließlich soll ein Bürgerentscheid darüber befinden, ob das Projekt überhaupt umgesetzt werden soll.
Bis dahin gibt es allerhand zu prüfen und abzuwägen, man muss sich vor allem darüber klar werden, ob man nicht vor lauter Umweltgedanken ein Modell favorisiert, das technisch einfach überholt ist.
Nicht dass man die alten Pläne, mit Gondeln vom Hauptbahnhof auf den Berg aus der Schublade holen sollte, die Stadt Tübingen oder besser die Tübinger werden sich energisch damit auseinandersetzen müssen, dass bei einem »Ja« über mehr als fünf Jahren sich Baustellen über die City verteilen werden, die vielfach den Verkehr zum Erliegen bringen werden. Schwerpunkt dabei: die Erneuerung der Neckarbrücke, die vielleicht so oder so kommen muss.
Dann sollten sich die Tübinger darüber im Klaren sein, dass das Gesamtprojekt Stadtbahn samt aller Zuschüsse rund eine Milliarde kosten wird.
Die Strecke durch die Innenstadt käme immer noch auf 200 Millionen Euro. Auch wenn OB Boris Palmer zunächst mit einem ersten Abschnitt zwischen Hauptbahnhof und Morgenstelle anfreunden wird, allein diese Marge kostet rund 80 Millionen, die Planungskosten werden sich nach Schätzungen wohl bei rund 17 Millionen bewegen. 
Und wir müssen davon ausgehen, die Konjunktur in den kommenden Jahren genauso blühen wird wie gerade. Ob die Planungen auch schon berechnet haben, wie teuer Tübingen der Betrieb der Stadtbahn kommen wird, ist noch nicht bekannt geworden. Es ist beruhigend, dass die Stadt davon spricht, dass sie Bausteine wir Direktbusse aus dem Umland, Radschnellverbindungen, sogenannte E-Mobilitätsplattformen und: Seilbahn in ihre Überlegungen einbeziehen will. Keine Frage: Die Verkehrsverhältnisse in Tübingen sind einfach unerträglich, was Busse und Autos in die Luft pusten, muss man auch nicht ewig hinnehmen. Doch das bisherige Konzept so grundsätzlich zu reformieren, schießt weit über das Ziel hinaus und die Frage, ob Tübingen, wie mit der Stadtbahn errechnet, rund 22 000 Fahrgäste pro Stunde transportieren soll, muss gründlich bedacht werden.