Es ist ungewöhnlich in Zeiten des Wohlstands, dass junge Menschen auf die Straße gehen, um sich für eine Sache einzusetzen. Unter dem Motto »Fridays for Future (Freitage für die Zukunft)« demonstrieren seit einigen Wochen Jugendliche, die meisten sind Schüler, für mehr Klimaschutz und einen Ausstieg aus der Kohleenergie - immer freitags. Deswegen bleiben sie dem Unterricht fern. Mit ihren Aktionen will die mittlerweile weltweite Bewegung Politiker auf klimapolitische Missstände aufmerksam machen, damit sie sich schnell und wirksam für den Klimaschutz einsetzen. Das ist gut so. »Fridays for Future« ist ein Phänomen des Internetzeitalters. Eigenen Angaben zu Folge organisiert sich die Bewegung dezentral. Man spricht sich über die sogenannten sozialen Medien ab, meist über den Messenger WhatsApp. Eigentliche Initiatoren gebe es in Deutschland nicht. 
Inzwischen ist »Fridays for Future« auch in der Universitätsstadt Tübingen angekommen. Die Demonstranten forderten bei den jüngsten Kundgebungen auf dem Holzmarkt, dass für den Klimaschutz mehr getan werden müsse sowie den Ausstieg aus der Braunkohleförderung und -verbrennung bis 2030.
Vorbild der jungen Leute ist die sechzehnjährige schwedische Klimaaktivistin Greta Thunberg. Sie bestreikte erstmals im August 2018 ihre Schule, indem sie jeden Tag während des Unterrichts vor dem schwedischen Reichstagsgebäude in Stockholm saß und ein Schild mit der Aufschrift »Skolstrejk för klimatet (deutsch »Schulstreik fürs Klima«) hochzeigte. 
Nun hat die Schule ja den Auftrag, Jugendliche und Kinder zu mündigen Bürgern zu erziehen. Zudem ist es wichtig, dass sich Jugendliche in diesen Staat einbringen und sich demokratisch engagieren. Doch warum die Freitagskundgebungen ausgerechnet während des Unterrichts stattfinden müssen, lässt sich nicht erschließen.

An fehlender Publicity kann’s nicht liegen. Denn die öffentliche Aufmerksamkeit ist groß, das Medienecho gewaltig. Was in erster Linie aber wohl auch der Internetpräsenz von »Fridays for Future« geschuldet ist. 
Auch manche Eltern und Lehrer stehen den Streiks skeptisch gegenüber, obgleich sie diese inhaltlich unterstützen. Es gibt zudem die Befürchtung, dass sich Schüler den Demonstrationen nur deswegen anschließen könnten, um nicht zur Schule zu müssen. Das Kultusministerium in Stuttgart hat betont, dass die Teilnahme an den Demonstrationen als unentschuldigtes Fehlen zu werten sei. Doch es zeigt auch Verständnis für das Engagement der Schüler. Es sei allerdings nicht erkennbar, »warum diese Demonstrationen unbedingt in der Unterrichtszeit stattfinden müssen«, ließ das Ministerium verlauten. Die Reaktionen der Schulleitungen sind unterschiedlich, teils werden die Streiks hingenommen, teils Strafen in Aussicht gestellt. 
Die Tübinger Gymnasien gehen einen eigenen Weg und gestatten jeweils vier Schülern pro Klasse die Teilnahme an den Demos. Die Haltung ist vermittelnd, offensichtlich will man keine harte Linie fahren. Und Strafen oder Erziehungsmaßnahmen wie etwa Gespräche, Ermahnungen, Klassenbucheinträge, schriftliche Mitteilungen an die Eltern oder Nachsitzen brächten vermutlich wenig.
Allerdings ist der deutsche Protest von »Fridays for Future« gewissermaßen über Nacht gegenstandslos geworden. Denn die Politik war ausnahmsweise einmal schneller, als sonst und will im Wesentlichen das umsetzen, was die Klima-Aktivisten gleichzeitig auch fordern. Vor wenigen Tagen hat sich die Kohlekommission der Bundesregierung auf einen Kohle-Ausstieg bis spätestens 2038 verständigt. Er soll möglicherweise sogar um drei Jahre vorgezogen werden. Laut Abschlussbericht vom 26. Januar soll die Kohle-Leistung bis 2030 halbiert werden. Das ist gut, und vielleicht auch ein wenig das Verdienst von »Fridays for Future«.