Der Kampf um die kostenlose Schülerbeförderung im Land geht weiter. Der Hintergrund: Eine Familie aus Waldenbuch hatte im Sommer vor dem Verwaltungsgerichtshof Mannheim in einer Klage gegen den Landkreis Tübingen den Gratis-Transport ihrer beiden Töchter zu einer Schule in Tübingen durchsetzen wollen und war gescheitert. 
Das Gericht begründete seine Entscheidung damit, dass es ein Recht auf kostenlose Beförderung nicht gebe und ein Eigenanteil zumutbar sei. Einen ähnlichen Schluss zog auch das Verwaltungsgericht Sigmaringen im Juli 2017, das die Klage eines Vaters aus Rottenburg in vergleichbarer Sache abwies.
Für die Initiative »Eltern für Elternrechte in Baden-Württemberg«, die den Rechtsstreit unterstützt hatte und einen Präzedenzfall für das Land schaffen wollte, war das kein Erfolg. Für die Landkreise als Kostenträger indes war es eine gute Nachricht. Da gegen das Urteil keine Revision zugelassen wurde, haben die Eltern (und die Initiative) inzwischen beim Bundesverwaltungsgericht in Leipzig Beschwerde eingelegt.
Jetzt wollte der Tübinger Kreistag einen gewaltigen Schritt nach vorn gehen – auf die Eltern zu. Grüne, SPD, Linke, FDP und Die Partei beabsichtigten, den Eigenanteil der Eltern von 39,30 Euro im Monat auf 25 Euro zu senken. So viel, wie ein Semesterticket kostet. Warum auch muss ein Schüler für seine Buskarte mehr bezahlen als ein Student? Dazu sollte eine Satzungsänderung beschlossen werden. Doch der Antrag wurde bei einem Patt von 32 zu 32 Stimmen abgelehnt – zumindest vorerst. Der Kreistag will erstmal den Ausgang des Rechtsstreits abwarten. Schade, denn es wäre richtiger gewesen, die Eltern zeitnah zu entlasten. Die günstigeren Buskarten hätte es dann bereits im nächsten Schuljahr gegeben. 
Schülerinnen und Schüler, die nicht in der Nähe ihrer Schule wohnen, sind oft auf öffentliche Verkehrsmittel angewiesen. Die Stadt- oder Landkreise erstatten die Kosten der Beförderung nach Abzug eines Eigenanteils oder sie gewähren einen Zuschuss. In Bayern, Hessen und Rheinland-Pfalz ist die Fahrt zur Schule kostenfrei – verbunden mit hohen Belastungen. Für den Weg, den Tübingen einschlagen will, müsste der Kreis zusätzlich 1,3 Millionen Euro veranschlagen. Was wohl zu verkraften wäre. Den Eigenanteil auf null herunterzufahren, wäre teuer: vier Millionen Euro zusätzlich müssten her, das ginge nur mit weiteren Landesmitteln. Zumal  das Geld anderswo fehlen würde. Denn der Fahrtkostenzuschuss finanziert sich über die Kreisumlage und damit durch Gelder aus den Städten und Gemeinden. Auf die Förderung bei der Beförderung haben bislang grundsätzlich Schüler öffentlicher Schulen und privater Ersatzschulen, für die das Kultusministerium oberste Schulaufsichtsbehörde ist, einen Anspruch. 
Über weitere Voraussetzungen, die Höhe des Eigenanteils beziehungsweise Zuschusses oder Mindestentfernungen entscheiden die Stadt- und Landkreise in eigener Zuständigkeit. So auch der Zollernalbkreis. Der geht mit gutem Beispiel und differenzierten Angeboten voran. 
Grundschüler, die mindestens drei Kilometer von der Schule entfernt wohnen, erhalten ihre Monatskarten über die Schule kostenlos. Bei einer Entfernung unter drei Kilometern zwischen Wohnort und Schule erstattet der Zollernalbkreis die Monatskarten für die beiden letzten Beförderungsmonate, wenn sie für das ganze Schuljahr über die Schule gelöst werden. 
Die Stadt Balingen erstattet in diesem Fall beim Schulstandort Balingen zwei weitere Monatskarten. Auch bei Familien gibt sich der Zollernalbkreis sozial. Wenn mindestens drei Kinder einer Familie Schülermonatskarten für das ganze Schuljahr lösen, erhalten alle Kinder innerhalb der Drei-Kilometer-Grenze zwischen Wohnort und Schule die Karten für die beiden letzten Beförderungsmonate kostenlos.
Ein Modell, das Tübingen als Vorlage dienen könnte. Das überlegt sich vielleicht auch die Klägerseite, die gegebenenfalls bis vors Bundesverfassungsgericht ziehen will.