In der Diskussion über den Brandschutz ist der Öffentlichkeit in den vergangenen Monaten viel zugemutet worden, auch wenn gesetzliche Normen für viele Einschränkungen sprachen. Das hat jetzt auch der türkische Außenminister in Hamburg erfahren müssen. Die Tübinger sind nun aber um eine Erfahrung reicher geworden. Jetzt scheitert sogar der Bau eines Wohnheims für Flüchtlinge im Französischen Viertel an seiner Nähe zu Schafen. Am südlichen Rand des Areals hat sich, in unmittelbarer Nähe der offenen Panzerhalle, seit Generationen ein Bauernhof eingerichtet, der Eigentümer hat rund 400 Schafe, die er, heute gewissermaßen als Hobby betreut. Gleich daneben wollte eine Baugemeinschaft mit dem vielsagenden Namen »Maison mondiale« eben ein Haus für Flüchtlinge bauen.


Im Gegensatz zu anderen Bauwilligen, die ihre Absichten bereits in Bauanträge umschreiben konnten, war dieser Baugemeinschaft eine Realisierung bisher versagt geblieben. Das Problem: Die Schafe »riechen« oder stinken. Bisher hatte das keine oder zumindest keine wesentliche Rolle gespielt. Zwar war auch früher schon zumutbar, sich den Wind um die Nase wehen zu lassen, um festzustellen, ob man  neben den Schafen wohnen kann. Das Gutachten von einst gilt aber, wen wundert’s (siehe Brandschutz), heute nicht mehr.

Das Planungsrecht schreibt heute nämlich vor, dass ein tiefer Atemzug nicht mehr reicht (heute sind die Nasen, wie das Gehör auch, wesentlich empfindsamer geworden). Jetzt ist ein, wie es heißt, »olfaktorisches Gutachten« notwendig. Das soll heißen, dass der »normale« Riechkolben immer wieder prüfen muss, ob und wie stark es stinkt, und das sage und schreibe ein ganzes Jahr hindurch.  Um die Gerüche im Französischen Viertel aus der Welt zu schaffen, bot die Stadt dem Schäfer an, seinen Schafstall an den Österberg zu verlegen. Dem konnte dieser aber nicht zustimmen, weil er die Tiere, die er bei sich im Stall hatte, stets bemuttern musste. Er hatte seinerseits vorgeschlagen, seinen Schafstall neu zu bauen – nur sollte dafür die Stadt einstehen. 


Die für die Bauherren unsichere Lage führte zu einer frustrierenden Warterei. Und da die Stadt wegen anderer Bauvorhaben so gut keine Kapazitäten mehr frei hatte, standen die Bauherren und Baufrauen vor der großen Frgae, ob sie das Wohnhaus für Flüchtlinge noch bauen sollten. Hinzu kam noch, dass die Zahl der Flüchtlinge stark zurückgegangen war und das Land den Fördertopf zum Monatsende schließen wollte. Und nun? Wenn die Stadt mitzieht, wollen die Bauherren ganz gerne ihre Projekt auch in die Tat umsetzen. Freilich, das haben sie schon mal angedeutet, um jeden Preis wollen sie nicht bauen, Bleibt übrigens ein Problem, mit dem sich der Schäfer auseinandersetzen muss: Auch wenn die Familie die Schäferei an der Stelle seit sieben Generationen betreibt, wird er am Ende der Störer bleiben. Dann wird er nolens volens weichen müssen.