Jetzt, im Herbst, sind wieder viele Mitmenschen von herabgefallenem Laub genervt. Wenn die Blätter nass sind, kann es sogar gefährlich werden. Ältere müssen wegen der Rutschgefahr besonders vorsichtig sein. Der Herbst führt aber nicht nur Regen, Dunkelheit und Laub, sondern auch eine Invasion von benzinbetriebenen Laubbläsern mit sich. Die nerven erst richtig. Sie dröhnen in Privatgärten oder ziehen, getragen von den Arbeitern der Stadtreinigung, mit ohrenbetäubendem Krach entlang der Straßen, Alleen und Gehwege, stets eine stinkende Abgaswolke im Gefolge. Bei Anwohnern und Nachbarn sind sie deshalb ebenso wenig beliebt, wie bei Umweltschützern.
Die Stadt Tübingen geht jetzt einmal mehr eigene Wege, hat die Geräte der Kommunalen Servicebetriebe Tübingen (KST) kurzerhand aus dem Verkehr gezogen und durch neue ersetzt. Wohlgemerkt, nur die mit Verbrennungsmotor. Seit vergangener Woche werden 66 Laubbläser, Rasenmäher, Heckenscheren, Motorsägen und Freischneider im städtischen Fundus von Akkus betrieben. 
130 000 Euro kostet die Umrüstung, 80 000 davon schießt die Stadt zu. Viel Geld auf einen Schlag, werden manche denken, und hätte das nicht nach und nach geschehen können. Und: ist das eigentlich noch umweltfreundlich?    
Ob, oder ob nicht, ermittelt schnell und zuverlässig eine Lebenszyklusanalyse, auch bekannt als Umwelt- oder Ökobilanz. Grundsätzlich gilt: Diese Bilanz wird bei technischen Geräten insbesondere durch eine längere Gebrauchsdauer verbessert. Über das Alter und wie lange die bis zuletzt funktionierenden Maschinen der KST noch hätten genutzt werden können, ist nichts bekannt. Dass diese zudem nun mit einem hohen Energie- und Ressourceneinsatz entsorgt werden müssen, schlägt jedenfalls negativ zu Buche.
Doch weiter. Die Herstellung von (akkubetriebenen) Elektro- und Elektronikgeräten ist gleichfalls  mit einem enormen Ressourcen- und Energieverbrauch verbunden. Die Produkte bestehen zu einem großen Teil aus Kunststoffen, die aus fossilen Rohstoffen hergestellt werden. Zudem enthalten sie eine Vielzahl wertvoller und rarer Metalle und Erden. Der Abbau der Rohstoffe wie etwa Lithium erfolgt oft in Ländern mit niedrigen Umwelt- und Sozialstandards und führt zur Zerstörung von Lebensräumen. So werden in manchen Abbauregionen Urwälder gerodet oder Berge gesprengt, um Rohstoffe zu gewinnen. Edelmetalle werden mit Hilfe giftiger Stoffe aus dem Gestein gelöst. Zurück bleiben mit Schadstoffen belastete Mondlandschaften. Rohstoffgewinnung und Produktion unterliegen nicht selten menschenunwürdigen Arbeitsbedingungen. 

Extrem lange Arbeitszeiten und unzureichende Entlohnung sind ebenso an der Tagesordnung wie mangelnder Gesundheitsschutz und unsichere Arbeitsverhältnisse.
Doch zurück. Wer sich privat einen Benzinmotor-Laubbläser anschaffen will, sollte beachten: Laubsauger und -bläser können im Betrieb zwischen 90 und 120 Dezibel verursachen. Damit sind sie ungefähr so laut, wie eine Kettensäge oder ein Presslufthammer. Lärm macht krank – deshalb dürfen Laubbläser in Wohngebieten wochentags nur zwischen 9 und 13 Uhr und zwischen 15 und 17 Uhr, an Sonn- und Feiertagen gar nicht benutzt werden. Geräte mit Verbrennungsmotor erzeugen darüber hinaus Luftschadstoffe, die bei den meisten Laubsaugern und -bläsern sogar ungefiltert in die Umgebung geblasen werden. Auch am Boden und im Laub befindliche Mikroben, Pilze, Unrat und Tierkot werden durch Gartengeräte wie Laubsauger und -bläser fein in der Luft verteilt. Nicht nur für die Menschen, die an den Geräten arbeiten, sondern auch für Umstehende ist dies gesundheitlich bedenklich.
Die neuen Arbeitsgeräte seien deutlich leichter, leiser und entlasteten die Arbeit der städtischen Mitarbeiter in Tübingen, so die Verwaltung. Motto: Keine Abgase, bessere Gesundheit. Gilt dies auch für die indigene Bevölkerung im »Lithium-Dreiländereck« Bolivien, Chile, Argentinien? »Heiliger Sankt Florian, verschon' mein Haus, zünd' and're an!«