Wenn schon was schiefläuft, dann läuft es richtig schief. Nachdem die Mühlstraße samt Neckarbrücke für den Verkehr in Richtung Wilhelmstraße bis Ende November gesperrt bleiben wird, kommt jetzt eine weitere Sperrung hinzu, mit der die Stadt Tübingen ganz offensichtlich nicht gerechnet hatte. Wegen jetzt wohl gut sichtbarer Schäden soll die Rosenauer Brücke zwischen Klinikum und Wanne ab Ende Oktober gesperrt werden – für Busse, Lkw und Pkw.


Das Bauwerk, aus dem Jahr 1961 ist wohl in einem so schlechten Zustand, dass ein Aufschieben nicht mehr möglich ist, sagt wenigstens die Stadt. Die Frage ist natürlich, warum sich die Kommune erst jetzt dazu durchringt, die schlanke Spannbetonbrücke zu sperren. Die Verkehrssicherheit sei gefährdet, versichert Tiefbauamtsleiter Albert Füger, früher war dies offenbar nicht festzustellen. Man spricht von Rissen im Beton und von verrosteten Stahlbewehrungen, auch am Lager  und am Geländer gebe es Schäden. 


Die Frage, warum die Stadt erst jetzt zu der Erkenntnis kommt, stellt sich vor allem deswegen, weil der Europaplatz umgebaut wird und es die bisherige West-Ost-Achse dann nicht mehr geben wird. Man sollte nicht vergessen, dass durch die Sperrung der Mühlstraße viel Verkehr zusätzlich die Weststadt und Lustnau belasten wird. Und jetzt auch noch Rosenauer Brücke. Das neue Bauwerk wird indes keine Brücke sein, denn die Kommune hat sich zum Ziel erhoben, sie will statt der Brücke einen Kreisverkehr dort einrichten und dazu einen Damm aufschütten. Im Zusammenhang mit der noch nicht aufgegebenen Stadtbahn will man mit dem Abriss der Brücke bis 2020 warten. Den Damm könnte man Füger zufolge 2021 errichten und bis 2021 könnten dann wieder die Autos (und vielleicht  die Stadtbahn) rollen. So lange müsste man an der neuralgischen Stelle mit einer kaum komfortablen Umleitung leben.

Nicht daran zu denken ist, wie das mit den Bussen vom und zum Klinikum, von und nach Hagelloch gehen soll. Wenn man die anderen neuralgischen Stellen in der Stadt denkt, dann kann man die Kommune nur beglückwünschen, dass sie es wieder mal geschafft hat, möglichst alle Stellen dichtzumachen, die man auch tatsächlich dicht zumachen sind. Rechnet man noch dazu, dass die Verwaltung es immer noch nicht geschafft hat, ihre Ampeln an die  veränderten Verkehrsverhältnisse anzupassen, dann darf man sicher sein, dass die Schadstoffwerte erheblich ansteigen werden, gar nicht zu reden von den vielen Autofahrern, die sich an weitere Verkehrsstaus werden gewöhnen müssen. Dann könnte man vielleicht doch auch mal massiv gegen die Stadt demonstrieren, weil sie es durch mangelnde Übersicht  nicht schafft, ihre Projekte so zu planen, dass es  für die Autofahrer erträglich wird.


Übrigens: Schon mal gesehen, wie viele Autos, auch einheimische,  nach wie vor die Mühlstraße aufwärtsfahren?