Bundesweit sind rund ein Viertel der Grundschulen an kein öffentliches Bad mehr angebunden. In Tübingen fällt mehr als ein Drittel des Schwimmunterrichts aus, was skandalös ist. Im Zusammenhang mit der geplanten Schließung des Uhlandbads hat Tübingens Oberbürgermeister Boris Palmer erklärt, ein Schließungsbeschluss sei zwingende Voraussetzung für einen Planungsbeschluss für ein neues Hallenbad. »Wir haben vom Gutachter den Vergleich für ganz Deutschland und der sagt glasklar, mit einem neuen Südbad haben wir eine sehr gute Ausstattung mit Wasserflächen, mit einem 50-Meter-Becken sogar eine herausragende gute. Das Uhlandbad spielt dafür keine Rolle.«

Dazu sei erstens angemerkt, dass ein neues Hallenbad grundsätzlich durchaus beschlossen werden kann, ohne das Uhlandbad zu schließen. Zweitens wird die Bevölkerung Tübingens in den nächsten Jahren stark und stetig wachsen und damit auch der Bedarf an  Schwimmangeboten. Allein im sogenannten Cyber Valley im Tübinger Norden sollen mehr als 3 000 neue Arbeitsplätze entstehen. Da braucht es neben Wohnraum, Kitas und Schulen auch Schwimmmöglichkeiten. Dass drittens der Erhalt des Uhlandbades zu einer noch besseren Ausstattung an Wasserflächen beitrüge, liegt rechnerisch auf der Hand, es wären dann mit drei Hallenbädern nämlich mindestens 1750 Quadratmeter. Die in Zukunft zwingend notwendig sind.

»Rettet die Bäder - Schwimmbadschließungen stoppen!« lautet die Überschrift einer aktuell laufenden Online-Petition der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG). Rund 83 000 Unterstützer haben diese bislang unterschrieben. Um was geht es? Die DLRG schlägt Alarm und fordert einen Stopp des Bädersterbens. In Deutschland schließt alle vier Tage ein Bad, in den vergangenen 17 Jahren waren es im Schnitt jährlich 80, rechnet der Verein vor. Erwiesen ist, dass deshalb immer weniger Menschen im Land schwimmen können, vor allem Kinder sind betroffen. Unter anderem deswegen sind in den ersten acht Monaten des Jahres 2018 in Deutschland mindestens 445 Menschen ertrunken, 148 mehr als im Vorjahreszeitraum. Das ist der höchste Stand seit zehn Jahren. Und es ist ein dramatischer Anstieg. Öffentliche Bäder werden aufgrund ihrer Daseinsvorsorgefunktion regelmäßig von Kommunen bezuschusst, pro Besucher fallen durchschnittlich fünf bis zehn Euro an. Es ist die Aufgabe der Kommunen, die öffentlichen Bäder zu erhalten und zu finanzieren.

Der Bund hat die Kommunen in den vergangenen Jahren finanziell massiv entlastet. Allein durch den Wegfall der Kosten für die Grundsicherung im Alter, für die Eingliederungshilfe sowie die Übernahme der Unterkunftskosten für Flüchtlinge sparen die Kommunen rund 14 Milliarden Euro jährlich ein. Zudem hat der Bund einen Fond in Höhe von sieben Milliarden Euro eingerichtet, damit Kommunen insbesondere bei der Instandsetzung von Schulen, Bildungseinrichtungen und kommunalen Schwimm- und Hallenbädern unterstützt werden können. Allein 2018 förderte das Zukunftsinvestitionsprogramms kommunale Projekte in den Bereichen Sport, Jugend und Kultur mit 100 Millionen Euro. Sind die bereitgestellten Bundesmittel abgerufen worden? Wofür wurden oder werden diese Gelder in Tübingen verwendet?
»Wir können uns keine drei Bäder leisten«, sagt der OB. Auch eine Mehrheit der Tübinger Gemeinderäte ist dieser Meinung. 

Da denken andere weiter. Die Bäderallianz Deutschland, ein Zusammenschluss von Verbänden, der auch die DLRG angehört, setzt sich gemeinsam für den Erhalt der Deutschen Bäderlandschaft ein. Die Allianz fordert von den Entscheidern der Kommunal-, Landes- und Bundespolitik, die dringend erforderliche Bestandssicherung und nachhaltige Weiterentwicklung der Bäder zu gewährleisten. Dazu hat sie einen Masterplan entwickelt, Vorlage für ein bundesweites Bädermonitoring. Damit soll künftig der Bedarf an Zuschüssen etwa für Sanierungen ermittelt werden. Ziel ist es, ein nachhaltiges System der Finanzierung öffentlicher Bäder sicherzustellen, auch mit  Bundesmitteln. Das hört sich gut an und könnte eine weitere Option für den Erhalt des Uhlandbades sein.