Nein, jetzt fällt man selber darauf herein und nimmt sich des Themas an, das eigentlich kaum mehr die Aufmerksamkeit verdient. Klar, dass man im Zusammenhang mit Tübingen an dem Palmer kaum mehr vorbeikommt. Anders hat er es wohl kaum gewollt. Ganz anders die Aktion, mit der der Tübinger OB jetzt Eigentümer von Grundstücken auffordert, in den kommenden zwei Jahren kundzutun, ob oder dass sie die Areale bebauen wollen. Dass die Kommune ankündigt, notfalls selbst tätig zu werden, steht im Gesetz. Und hier ist Palmer bundesweit zumindest in seiner Partei die Rückendeckung sicher. Dass ihm im Gemeinderat drei Fraktionen die Gefolgschaft versagten, hat er einfach zur Kenntnis genommen. In eine weitaus schwierigere Lage hat er sich mit seiner Kritik an den Werbeköpfen der Bahn gebracht. Der Tübinger OB; der weltweit beobachtet, ob seine Umgebung auch seinen Vorstellungen entspricht, hatte unter anderem kritisiert, dass mit der Abbildung der fünf Personen auf der Homepage eine Spaltung der Gesellschaft vorgenommen worden sei, wovor er nur warnen könne. Die Fünf mit unterschiedlicher Hautfarbe, man weiß es längst, waren unter anderem der TV-Koch Nelson Müller, Moderatorin Nazan Eckes und Ex-Rennfahrer Nico Rosberg. Dass man Palmer nicht vorher gefragt hatte, kann man noch als Fehltritt bezeichnen, dass sich nun alle Welt aufregt, gehört zu den Erscheinungsformen der modernen Gesellschaft. 

Man kann leider nicht so einfach fragen: »Wer ist Palmer?«, doch nicht alles, was so um ihn geschieht, muss an der Messlatte des Rathauses und seines auch guten Geistes gemessen werden. Palmers Vater war bekannt durch seine Ausfälle und man hat es ihm zu seinem Ende nachgesehen. Ob der Sohn Boris vielleicht irgendwann schlau wird, darf angesichts seiner Entgleisungen in der jüngeren Vergangenheit bezweifelt werden. Sicher muss auch nicht davon ausgegangen werden, dass der OB sein Amt niederlegt, wie der Grünen-Abgeordnete Daniel Lede Abal meint. Zunächst zumindest, bis zur Kommunalwahl, hat sich Palmer ein Schweigegebot verordnet. Das wird sicher hart für einen, der Wächter einer, seiner Idealgesellschaft, sein will. Das wird aber auch schwer für die, die seit geraumer Zeit ihn immer wieder in die Mangel genommen haben. Inzwischen hat sich eine »Boris Palmer Watch« herausgebildet - so sind halt die sozialen Medien beschaffen. Viel Feind, viel Ehr muss sich auch schon sein Vater gesagt haben. Den hatte man am Ende aber nicht mehr Ernst genommen, fast bemitleidet. Palmer muss sich vorwerfen lassen, Probleme mit einer offenen Gesellschaft zu haben. Das Schlimmste an den Auseinandersetzungen ist, dass Palmer sich für seine Haltung jetzt auch noch rechtfertigt. Dass er wieder einmal einen schweren Fehler begangen hat, weist er weit von sich - ganz der Vater.