Nicht auch das noch. Jetzt hat sich Henning Zierock, Friedensaktivist, Chorleiter – und Altstadtbewohner des Problems angenommen. Künftig soll der Lärmpegel des Nachts in den Gassen erheblich gesenkt werden, sonst bekommen Verursacher und Lokalbesitzer es mit der Bürgerinitiative »Lärm, Vermüllung, unsoziales Verhalten und Verwahrlosung« zu tun.
Bei allem Verständnis für die geforderte Nachtruhe in der Altstadt - dass die Initiative bei der Benennung sich nur in Tübingen bilden konnte, wird außerhalb von Tübingen sicher jeder verstehen. Nach Aussage von Zierock will man »keine Klagemauer hochziehen«, man will, wie früher schon einmal deutlich betont worden ist, gegen den »Rabatz«, gegen »leicht enthemmte« Alkoholisierte, gegen die, die »Kellerfenster einwerfen« oder auch Wände beschmieren, vorgehen. Dabei wird schon mal der Vorschlag gebracht, das Thema in die Schulen und Verbindungen zu bringen, »juristische Schritte« gegen die Stadt einleiten oder gar Videokameras aufzubauen, um Ruhestörer zu identifizieren. Die Stadt ihrerseits hat nach eigenem Bekunden von den Lokalen verlangt, den Lärmpegel zu reduzieren - das sollen jetzt acht statt nur vier Ordnungshüter kontrollieren. Vorrangig in der Mühlstraße und der Haaggasse.
Darüber hinaus werden die, die nach 22 Uhr grölend angetroffen werden, mit einem Bußgeld von 60 Euro belegt werden (wenn der Ordnungshüter sich durchsetzen kann).     
Spricht man die Klubbetreiber an, dann wissen die ganz sicher, dass aus ihren Lokalen nicht der »Rabatz« kommt. Lärm verursachten in erster Linie die, die in Gruppen von Kneipe zu Kneipe ziehen »und mit der Zeit immer lauter und rücksichtsloser« würden. Hinzu komme dann noch der Vandalismus, wie jüngst beim Umbrisch-Provenzalischen Markt, als nächtens Stände zerstört worden seien. Dass dabei auch Fahrräder verschwanden, muss nicht besonders erwähnt werden. Dass ausgerechnet Tübingen jetzt aus der Reihe tanzt, wo doch früher immer wieder darauf verwiesen wurde, die Stadt kümmere sich nicht in ausreichendem Maße um die Jugend, ist wohl der Preis für die Offenheit der Stadt. Worauf ein Tübinger durchaus betonte, dass »an Tübingen halt das Schönste ist, dass wir nicht das Nachtleben von Reutlingen haben.« 
Da hat man es also wieder. Wie man es macht, ist es falsch. Bisher hat die Stadt auch vergeblich versucht, auf die Störer einzuwirken und man darf nicht glauben, dass die Androhungen großartig Wirksamkeit zeigen dürfte. Da aber die Betroffenen dem Vernehmen nach nicht Ruhe geben werden (seltsames Wortspiel), sollte man vielleicht doch einmal von Lokal zu Lokal ziehen und die jungen Leute auf die Kooperationsbereitschaft hinweisen. Härter durchgreifen wird wohl kaum das Nachtleben in der Altstadt überleben.
Das nächste Treffen der Bewohner der Altstadt wird bereits Ende des Monats stattfinden. Sie haben die Ohren gestrichen voll.