Wenn das bloß gut geht! Der Tübinger Gemeinderat hat jetzt die Grundregeln dafür aufgestellt, wie künftig der Lieferverkehr durch die Altstadt so gesteuert werden kann, dass die Fußgänger nicht ständig auf die Seite springen müssen.
Der augenblickliche Zustand ist in der Tat verbesserungswürdig. Tagtäglich blockieren Lieferfahrzeuge zwischen Neckargasse und Schmiedtorstraße die Fußwege, wer einkaufen will, muss sich auf Slalomverkehr einstellen. Nur damit es nicht aus dem Blick gerät: Der starke Lieferverkehr hat viel mit dem Internethandel zu tun, ist auch Ausdruck für zunehmende Hektik im Liefergewerbe. Kein Wunder also, wenn die Fahrzeuge nicht nur die Fußgänger behindern, sondern sich selbst im Wege stehen.
Tübingen hat jetzt nicht zum ersten Mal den Versuch unternommen, die Fahrzeuge aus der Altstadt herauszuhalten. Bislang gab es allerdings kein brauchbares Konzept, im Übrigen hatten vor allem die Handwerker sich gegen Beschränkungen zur Wehr gesetzt.
Deswegen war es allerhöchste Zeit, Ordnung in den Laden zu bringen.
Ganz sicher wird die Unistadt dem einen oder anderen auf die Füße treten müssen, aber ohne Opfer wird die Beschränkung nicht ausgehen.
So hat sich die Stadt ausgedacht, für den Lieferverkehr sogenannte Parkstände auszuweisen. In der Altstadt werden es nach den bisherigen Planungen deren sieben sein. Ansonsten sollte das Geschäft morgens zwischen sechs und 10 Uhr erledigt sein. Klar, dass sich im Augenblick niemand so recht vorstellen mag, wie die Beschränkungen sich auf das Geschäft auswirken wird.
    
Vor allem die Handwerker haben in Vorgesprächen die Stadt schon mal wissen lassen, dass sie eine ganze Reihe von Ausnahmegenehmigungen benötigen, um ihrer Arbeit nachgehen zu können. 
Klar, dass die Stadt den Elan bremsen musste, denn irgendwann soll sich der Zustand ja verbessern. Und dafür muss, wie es sich gehört, jeder Opfer bringen. Übrigens auch die Bewohner, die in der Altstadt wohnen. Sie haben, soweit sie keinen Stellplatz besitzen, gerade mal zwischen sechs und 10 und zwischen 18 und 20 Uhr die Gelegenheit, vorzufahren. Ansonsten setzt es ein Strafmandat. Da wird mancher zu knabbern haben. Ganz außer Diskussion sind Pflegedienste, sie haben noch unbegrenzten Zugang – bis sich dafür eine Lösung abzeichnet.
Dass ganz offenbar noch Diskussionbedarf ist, zeigt sich daran, dass statt am vergangenen Montag der Gemeinderat erst in drei Wochen einen Beschluss herbeiführen wird. Es sollen nochmals die Handwerker zu Wort kommen, im Übrigen hatte die Tübinger Liste eine Liste mit Sondergenehmigung vorgelegt, über die das Gremium noch befinden muss.
Es wäre deswegen nicht verwunderlich, wenn vor der Sommerpause keine Entscheidung zustande käme. Dann sollte man aber das Thema nicht mehr aufgreifen. Eine allzu große Aufweichung der Absicht wäre es nicht wert, beschlossen zu werden. 
Vielleicht muss man dem Gemeinderat deutlich sagen: nur Mut!