Das Nachbarschaftshaus und der Bürgertreff für Kreuzerfeld-Süd entwickeln sich in Rottenburg immer mehr zur unendlichen Geschichte. Auf der einen Seite die Bürgerinitiative mit ihrem Vorsitzenden Timo Vo-Van, die weiter fordert, dass auf dem Grundstück neben dem Spielplatz ein Nachbarschaftshaus mit Begegnungsmöglichkeiten für alle Altersstufen gebaut wird.

Auf der anderen Seite die Stadt und ihre Salamitaktik. So erklärt etwa Oberbürgermeister Stephan Neher auf Anfrage, dass erst die Ergebnisse einer Umfrage unter Bürgern im Kreuzerfeld abgewartet werden soll. »Wir wollen erst einmal schauen, wie stark das Anliegen bei den Bürgern ist, und ob eine Mehrheit das Nachbarschaftshaus für notwenig erachtet.« Danach, wenn die Ergebnisse der Bürgerumfrage vorliegen, werde man gemeinsam mit dem Gemeinderat und der Bürgerschaft schauen, wie es weitergeht.

Auch müsse überlegt werden, welche Bedürfnisse das Haus der Nachbarschaft abdecken soll und was darin stattfinden kann, so Neher. »Man könnte hier eventuell vorhandene Bausubstanz im Kreuzerfeld nutzen oder ein Nachbarschaftshaus in einen Neubau integrieren.« Ein eigenständiges Haus der Nachbarschaft, wie es die Bürgerinitiative fordert, sei sicherlich zu groß. Soso. Erst noch vor nicht mal einem Jahr sah die Sachlage ganz anders aus. Da wurden hehre Pläne geschmiedet, gemeinsam mit der Bürgerinitiative gab es einen Workshop, und es war mehr oder weniger eitel Freude und Sonnenschein. Doch die Fassade bröckelte, da die erhofften Zuschüsse ausblieben. So verschwanden die Pläne für ein Haus der Nachbarschaft neben dem Sportplatz im Kreuzerfeld einfach so in der Schublade des Stadtplanungsamtes. Schwupp. Ende. Schade.


Man versteht die Wut der Bürger im Kreuzerfeld, die alle im Bebauungsplan das Nachbarschaftshaus sahen und sich freuten, als sie ihre Häuser gebaut haben. Jetzt sind Jahre vergangen, und immer noch ist das Haus der Nachbarschaft weder konkret geplant noch gebaut oder gar fertiggestellt. Auch Geldmangel ist hier sicherlich kein Hinderungsgrund. Denn erst kürzlich gab es für die Stadt einen warmen Geldsegen aus Gewerbesteuereinnahmen, und es geht der Stadt finanziell besser als in den Jahrzehnten davor. Woran liegt also die Zurückhaltung der Stadt? Denn es wurde schon von Anfang an gemauert, als die Bürger den Bau einer Begegnungsstätte im Kreuzerfeld forderten. Man darf jetzt nur hoffen, dass die Bürger bei der Umfrage wieder das Haus der Nachbarschaft fordern und dass der geballte Bürgerwille und auch Protest der Stadt wie ein kalter Wind entgegenweht. Das Argument, dass andere Stadtteile wie etwa Hohenberg oder Ehingen auch keinen Bürgertreff haben, zählt hier nicht.

Denn schließlich gibt es in Ehingen gleich mehrere Gemeindehäuser der beiden Kirchen, und im Hohenbergareal kann die Festhalle nebst Foyer und Rundling genutzt werden. Schade, dass nur mal wieder im Kreuzerfeld die Stadt ihre Versprechen für diesen auch ansonsten stiefmütterlich behandelten Stadtteil nicht einhält. Hier müssten sich Bürger und Stadtverwaltung an einen Tisch setzen – nur so kann eine Lösung entwickelt werden, die alle Seiten zufriedenstellt. Vielleicht klappt es ja im Rahmen der Haushaltsberatungen der Stadt, dass Pläne geschmiedet und diesmal vielleicht auch realisiert werden können. Man wünscht es zumindest den Bürgern im Kreuzerfeld-Süd, die schon jahrelang auf einen Bürgertreff warten.

Die von OB Neher angedeutete Möglichkeit, den Bürgertreff in die bestehende Bausubstanz zu integrieren, lässt aufhorchen. Denn so müsste nicht erst ein Neubau geschaffen werden, sondern man könnte den Bürgertreff vielleicht nach der Renovierung eines Hauses oder eines Hausteils schon bald realisieren. Hier könnte bald ein Anfang gemacht werden, und die unendliche Geschichte käme zu einem guten Ende.