Es poltert Angst einflößend. Schon von fern im Kreuzerfeld oder an der Tübinger Straße, kündigt sich das Gleismonstrum an. Aufgrund des unbeschrankten Bahnübergangs, der die Tübinger Straße mit dem Rottenburger Wohngebiet Dätzweg verbindet, müssen Züge mittels eines Hupsignals Fußgänger vor dem Herannahen des Zuges warnen. Auch in der Nacht herrscht keine Ruhe. Hiergegen möchte Stadträtin Erika Piscart vorgehen. Sie und auch viele andere Anwohner fühlen sich von den scharfen Signalen im Viertelstundentakt genervt. Dass derzeit vermehrt Güterzüge durch Rottenburg rollen, findet Erika Piscart allerdings weniger schlimm. Das Unheil für die Rottenburger hat seinen Ursprung aber weit weg im Badischen. Es begann am 12. August. Damals waren Wasser und Erdreich in eine Tunnelröhre nur knapp fünf Meter unterhalb der Bahntrasse bei Rastatt eingedrungen, die Gleise sackten ab. Seitdem ist der Zugverkehr auf dieser wichtigen europäischen Nord-Süd-Trasse zwischen Rastatt und Baden-Baden unterbrochen. Der Güterverkehr wird umgeleitet, auch über die Strecke Tübingen/Rottenburg/Horb. Die für den Personen- und Güterverkehr wichtige Strecke Rheintalbahn soll voraussichtlich erst am 7. Oktober wieder freigegeben werden. Das teilten die Deutsche Bahn und die Arbeitsgemeinschaft Tunnel Rastatt mit. Solange rollt und quietscht es in Rottenburg, und solange rollt auch der Güterzugverkehr im Viertel- und Halbstundentakt durch die Neckarstadt. 
Doch die Huperei nervt halt. Deshalb startet Erika Piscart eine Anfrage an die Verantwortlichen der Stadt – Stephan Neher, Thomas Weigel und Hendrik Bednarz. Auf folgende Fragen wünscht sie eine Antwort im Gemeinderat: »Was wird die Stadtverwaltung gegen den Lärmterror der Bahn durch die Signalgebung am Fußgängerüberweg Tübinger Straße unternehmen? Nicht nur die direkten Anlieger der Bahnlinie, sondern auch viele Mitbürger aus der Innenstadt bis hin zu Höhenlagen wie Kreuzerfeld und Burgäcker-Äuble werden durch die vorgegebene Signalgebung am besagten Überweg gestört«, schreibt Piscart. Auf dem DHL-Gelände werde zudem eine massive Wohnbebauung geplant, wo diese Belästigung noch viel intensiver reklamiert werden dürfte, so die SPD-Stadträtin. Durch die momentane Umverlegung der Güterbahntrasse finde diese Lärmbelästigung rund um die Uhr statt. Erika Piscart beklagt: »Nicht nur einmal wurde das Problem per Anschreiben und Anfragen im Gemeinderat benannt und immer nur mit belanglosen Antworten bedacht. Ich verlange im Namen der SPD-Fraktion eine öffentliche konkrete Antwort auf diese Anfrage und vor allem eine Lösung des Problems.« Wie diese Lösung aussehen könnte, ist unklar. So könnte man etwa den bislang unbeschrankten Bahnübergang mit einer Schranke versehen. Damit wäre das Problem erst einmal vom Tisch. Oder man streicht den Bahnübergang an der Tübinger Straße und macht eine Unterführung draus. Auch dann wäre die Sache erst einmal geritzt. Worüber sich auch einige Bürger aufregen, ist der Schienenersatzverkehr, der tagsüber Reisende von Horb nach Rottenburg oder Tübingen bringt. Ergebnis: Die Reise dauert ein Mehrfaches der ursprünglichen Zeit, man verpasst in Tübingen oder Stuttgart die Anschlüsse an den ICE-Verkehr. Alles nicht optimal, möchte man meinen. Der Leidtragende ist wie immer der Bürger, und der Stadt sind die Hände gebunden, da der unbeschrankte Bahnübergang in das Hoheitsgebiet der Deutschen Bahn fällt. Schade. Denn bis die Bahn handelt, auch wenn die Stadt sich zu einer Anfrage an die Bahn durchringen würde, wird es Monate oder Jahre dauern. Man hat dies mit dem Bahnhof in Rottenburg erlebt. Es könnte also auf eine unendliche Geschichte rauslaufen...