Viele Rottenburger fragen sich derzeit, was mit dem Gebäude der Kreissparkasse am Marktplatz passiert, wenn die Bank diesen sehr zentralen Standort aufgegeben hat. Eines ist klar: Das Gebäude ist stark sanierungsbedürftig. Es soll, so wird gemunkelt, sogar zum Dach ein wenig hereingeregnet haben. Das heißt, die Bank hätte viel Geld in die Hand nehmen müssen, um das Gebäude zu sanieren. Geld, das sie lieber in den Neubau in der Poststraße stecken will. Einerseits verständlich will man meinen. Aber andererseits war eben der Standort Marktplatz sehr zentral und zumindest für die Bewohner der Altstadt gut erreichbar. Auch ist das Kreissparkassengebäude am Marktplatz ein echter Hingucker, ein den Platz dominierendes Haus. Ein Abriss zumindest wäre fatal – wieder ein historisches Gebäude weniger. Man mag gar nicht daran denken. Wahrscheinlich wird die Kreissparkasse das Gebäude zum Verkauf anbieten, aber auch der Käufer muss sanieren. Der Standort Eugen-Bolz-Platz soll erhalten bleiben, heißt es aus Kreisen der Bank. Und der neue Standort Poststraße soll ein Kompetenzzentrum werden. Vorteil: Es gibt Parkplätze vor dem Haus und in einer Tiefgarage. Spatenstich für den Neubau war im Sommer, und im Herbst kommenden Jahres soll Neueröffnung sein. Viele Berater werden dann im neuen Bankgebäude vor Ort sein, sodass man auch bei seinen Bankgeschäften ein kompetentes Gegenüber hat. Soweit, so gut. Doch wieder einmal ist das Kreuzerfeld abgehängt. Hier schloss die Kreissparkasse kürzlich ihre bis dato gut frequentierte Filiale. Es gab einen Schalter, und auch ein Berater war vor Ort.
Vor allem Senioren sind geschockt, auch ältere Mitbürger aus Weiler, die ihre Bankgeschäfte im Kreuzerfeld tätigten. Am Schalter konnten Sparbücher eingelesen werden, man hob Geld ab oder zahlte ein, und der Berater half, wenn es Fragen zum Konto gab. Jetzt müssen die Betroffenen versuchen, ihre Bankgeschäfte in der Automaten-Filiale in der Schadenweilerstraße zu tätigen. Doch kaum will man eine Überweisung machen, ist man hier fehl am Platz. Es gibt kein Serviceterminal, an dem man Überweisungen machen kann, nur einen Geldautomaten und einen Kontoauszugsdrucker. Auch ein Briefkasten an die Bank für Überweisungen fehlt leider. So tigert man also wieder in die Stadt, was vor allem für ältere Menschen oder Eltern mit Kinderwagen ein großer Aufwand ist. Vergleicht man den Aufwand, den die beiden Rottenburger Banken, die Kreissparkasse und die Volksbank für ihre Mitbürger betreiben, fällt auf, dass das Vorgehen ähnlich ist. Die Volksbank hat sich am Eugen-Bolz-Platz ein Kompetenzzentrum mit vielen Beraterbüros geschaffen und dort ihren zentralen Platz. Alle anderen Standorte in Rottenburg sind Automatenfilialen, etwa eine am Marktplatz, zudem in der Bahnhofstraße beim Ankerzentrum und in der Schadenweilerstraße. Zumindest am Marktplatz kann man bei der Volksbank Überweisungen am Serviceterminal einlesen, was positiv ist. Unterm Strich gibt es jedoch in den Orten rund um Rottenburg eine Servicewüste, bei der Volksbank genauso wie bei der Kreissparkasse. Sicherlich kann jeder Bankenkunde verstehen, dass gespart wird. Aber man sollte als großes Unternehmen doch versuchen, Kundennähe zu pflegen. Klar, die Banken haben zurzeit mit der Konkurrenz aus dem Internet zu kämpfen. Aber letztlich werden sich die Bankkunden selbst entscheiden, ob sie weite Wege für Bankgeschäfte in Kauf nehmen. Mögliche Lösung für Kunden im Kreuzerfeld wäre vielleicht auch das Onlinebanking bei der Hausbank. Aber Hand aufs Herz: So viele Senioren mit Faible für Internet & Co. gibt es einfach nicht. Und gerade die Senioren sind schnell abgehängt, da sie oft auch kein Auto mehr haben. Das bedeutet dann im schlimmsten Fall, dass sie mit dem Taxi zur Bank fahren müssen. Schade eigentlich.