Nicht jeder sieht in Rottenburg den Ausbau der östlichen Königstraße als etwas Positives an. Klar, die Stadt braucht einen ansprechenden Stadteingang. Den hat sie aber schon mit der schönen Stadtbibliothek und der Diözesankurie. Doch soll nun wirklich zwischen dem Dom und dem Eugen-Bolz-Platz eine Fußgängerzone entstehen? Die Polizei ist darüber wenig erfreut und »not amused.« Denn wenn Einsatzfahrzeuge aus der Fußgängerzone hinaus zum Einsatz fahren müssen, ist dies fast ein Horrorszenario. Es gibt einen Interessenskonflikt – zum einen müssen die Polizisten schnell fahren, um schnell am Einsatzort zu sein, zum anderen laufen in der Fußgängerzone auch schon mal viele Menschen. Etwa, wenn Schulschluss ist und viele Schüler in die Stadt gehen. Oder zur Mittagszeit, wenn viele Pause machen und ins Café der Stadtbibliothek gehen. Oder, oder, oder. Denn in der Königstraße ist immer Fußgängerverkehr. Ausgebaut werden soll die neue Fußgängerzone, sobald die Anregungen der Bürger im Gemeinderat diskutiert worden sind. Denn der Baubeschluss wurde bereits im vergangenen Jahr gefasst, die Pläne lagen aus und es konnten Bürger Bedenken oder Anregungen vorbringen. Auch vom Polizeirevier Rottenburg kamen hierzu Anregungen und Bedenken.
Aber auch Bürger konnten sich melden. Ob hierzu Anregungen bei der Stadt eingingen, ist noch nicht klar, da der Gemeinderat darüber entscheiden wird.

Die Pläne an sich sind sicherlich nicht schlecht – es ist vorgesehen, auch eine Rollatorspur in den Straßenbelag einzubauen. So kann man mit Kinderwagen oder dem Rollator gut fahren und hat sozusagen eine »Schutzspur«. Denn der restliche Belag soll gepflastert werden. Da haben es Rollatorfahrer auch schon mal schwer.
Manch einer hätte es auch gerne gesehen, wenn man in der östlichen Königstraße weiter Auto fahren kann. So gibt es derzeit vor dem italienischen Lokal, dem Sanitätshaus und auch vor dem Bäcker einige Kurzzeitparkplätze, die derzeit auch vom Eugen-Bolz-Platz her über eine Schleife zur Kurie und zurück in die Einbahnstraße angefahren werden können. So kann man auch kurz in der Stadtbibliothek Bücher abgeben, ältere Menschen sind froh, im Sanitätshaus schwere Gegenstände abholen zu können, die dann direkt vor dem Haus ins Auto geladen werden können. Dies alles würde nach dem Ausbau wegfallen. Derzeit gibt es eine Mischspur vom Kreisel im Eugen-Bolz-Platz bis zum Sanitätshaus. Hier sollen Autos zehn Kilometer pro Stunde fahren und sind gleichberechtigt mit den Fußgängern. Dies hat sich auch bewährt, man achtet hier als Autofahrer extrem auf Schüler oder auch auf Radfahrer und die anderen Fußgänger.
Zudem kann im Nachgang zur Einfahrt ins Waldhorngässle das Parkhaus Rathausdeck angefahren werden. Sollte dies auf einfache Art nicht mehr möglich sein, muss man künftig wohl eine Stadtrunde drehen.
Staus sind dann vorprogrammiert, da der Verkehr über die Schütte und Obere Gasse zufahren muss. Droht der Stadt also der Verkehrskollaps?
Das wird sich zeigen, sobald die östliche Fußgängerzone zur Fußgängerzone umgewidmet ist. Die Stadt jedenfalls ist stolz auf ihr neues Sanierungsgebiet und sieht für das Stadtbild ein weiteres Highlight.
Doch mal ehrlich und Hand aufs Herz: Haben wir das wirklich gebraucht? Schon jetzt herrscht in der Bürgerschaft ein wenig Unmut, dass dann alles komplizierter wird. Schon jetzt herrscht in der Innenstadt zu Stoßzeiten viel Verkehr, und man hätte auch sicherlich eine für Autofahrer bessere Lösung hinbringen können. Ganz zu schweigen von den Anwohnern der Altstadt, die dann von Fußgängerzonen umzingelt sind. Also: Schaun wir mal, wie’s wird.