Nein, das darf eigentlich nicht sein. Seit mehr als 40 Jahren hat das Kino »Arsenal« am Rande der Tübinger Altstadt Kinogeschichte geschrieben, jetzt soll alles mit einem Schlag zu Ende sein. Das Gebäude, das den Sommer über, sich hinter wilden Reben versteckt, wird wohl verkauft. Und es könnte durchaus sein, dass damit auch der Standort Kino aufgegeben werden muss.
Anders als in vergleichbaren Fällen hat sich die Volksseele in Tübingen noch nicht empört, bislang gibt es zwar eine Initiative, die sich für eine Rettung des Kinos einsetzt, sie hält sich aber sprachlich noch äußerst bedeckt. Auch Stefan Paul, der 1974 das kleine Programmkino aus der Taufe hob, hält sich noch zurück. Immerhin hat er mit dem Vermieter noch einen Vertrag, der ihm erlaubte, das Kino weiter zu betreiben. Freilich weiß er zu genau, dass das Hauptgebäude von Grund auf saniert werden muss. Vielleicht lohnt sich dergleichen nicht mehr und das Haus muss einfach abgerissen werden. Dann ist natürlich auch das Kino nicht mehr zu halten. Ganz gewiss steht die Stadt Tübingen hinter dem Standort, auch OB Boris Palmer hält viel von der Spielstätte, würde auch gerne eine Zukunft garantieren. Freilich weiß auch er, dass die städtische Gesellschaft GWG in ihren Mittel beschränkt ist. Bisher sind Gespräche mit der Erbengemeinschaft zunächst einmal hoffnungsvoll, dann aber wieder etwa schleppend verlaufen. Tübingen könnte sich in diesem Zusammenhang vorstellen, das Kinogebäude zu kaufen und es an den Betreiber zu vermieten. So hatte man es auch beim »Löwen« gemacht und ist bislang ganz gut damit gefahren. Noch ein Wort zum »Arsenal«: Vor seinem endgültigen Standort an der Hinteren Grabenstraße zeigte Stefan Paul Filme am Haagtor, im Zimmertheater und, man glaubt es kaum, auch in der Kunsthalle. Den Namen bezieht das Kino aus einer einfachen Logik von Stefan Paul, der wusste, dass bei der Ankündigung der Filme alles streng nach dem Alphabet geht. So wurde das Arsenal immer als erste Spielstätte genannt.

Der Initiator hat es nicht bloß beim Kino belassen. Er wollte vor Ort auch über Filme diskutieren, am Ende seinen Kunden auch die Möglichkeit bieten, etwas zu trinken. Heute noch darf man das Bier mit in den Saal nehmen.
Angefangen hat Stefan Paul mit 82 Sitzplätzen, heute sind es deren 120. 
Natürlich muss auch Paul darüber nachdenken, welche Zukunft sein Kino hat. Die Bilanz der vergangenen Jahre ist in Tübingen insgesamt nicht gerade rosig ausgefallen, da bräuchte auch das Arsenal einen Schub. Dem Vernehmen nach will er in der kommenden Woche Gewissheit haben, wie es in der Hinteren Grabenstraße weitergehen soll.
Wer sich per Unterschrift für den Verbleib des Kinos aussprechen möchte, kann dies unter »www.openpetition.de/petition/blog/das-kino-arsenal-in-tuebingen-soll-bleiben« tun.