Für Dußlingens Bürgermeister Thomas Hölsch war ganz klar: »Wir haben größtes Interesse«, sagte er bei der jüngsten Sitzung des Tübinger Kreistags, »dass die Regionalstadtbahn kommt.« Deswegen nimmt es auch nicht wunder, dass der Kreistag sich einstimmig für einen Zweckverband aussprach, der das Projekt Regionalstadtbahn auf den Weg bringen soll. Von den 48 Mitgliedern sind die beteiligten Bürgermeister und Oberbürgermeister gesetzt, aus den Kreistagen der Region kommen je sieben weitere Mitglieder.
Dies ist die erste Organisationsstufe für die Realisierung des Gesamtkonzepts. In einer zweiten Stufe wird dem noch eine GmbH angegliedert. Diese Lösung wurde unter Federführung von Regionalverbandsdirektor Dirk Seidemann entwickelt. Da dieser seinen Arbeitsplatz in Mössingen hat, ist dort auch der Sitz der Projektorganisation. »Wir haben das bei der Stadtbahn Breisgau abgekupfert«, gab Landrat Joachim Walter zu. Im Zweckverband werden die politischen Mehrheitsverhältnisse in den Kreistagen abgebildet. Es können aber auch Vertreter entsandt werden, die nicht einem der Kreistage angehören. »Es geht jetzt richtig rund mit den Vergaben«, berichtete Walter. Die größte Aufgabe werde es nun sein, einen Schlüssel für die Kostenverteilung zu finden. FWV-Sprecher Thomas Hölsch sprach sich dafür aus, die Realisierung der Regionalstadtbahn zu beschleunigen. Insbesondere beim Modul zwei sei mit relativ wenig viel erreicht. Das umfasst unter anderem die Elektrifizierung der Zollernbahn, die einen Nutzenfaktor von 1,7 hat. Grünen-Fraktionschef Markus Goller nahm dagegen das große Ganze in den Blick. Ein möglichst großes Netz mit eigenem Takt ließe sich nur über das Gesamtkonzept realisieren.
Erika Braungardt-Friedrichs, die vor zwanzig Jahren zu den Ersten zählte, die sich für eine Regional-Stadtbahn einsetzten, sprach von einem »historischen Beschluss«, den der Tübinger Kreistag nun mit der Entscheidung für eine Projektorganisation getroffen habe und wünschte »Glück auf«. Sie betonte besonders die »finanzielle Herausforderung«. 
Dass dies durchaus nur auf die Strecken außerhalb Tübingens beschränkt bleibt, betonte dann Dietmar Schöning. Er war wie Braungardt-Friedrich sozusagen von Anfang an dabei und er legte sich so weit fest, dass zur Regionalstadtbahn auch die Innenstadtstrecken gehörten. Bei einer bloßen Elektrifizierung bereits vorhandener Strecken sollte es seiner Meinung nach nicht bleiben. Er wies aber darauf hin, dass über diese Strecken die Tübinger in einem Bürgerentscheid befinden würden.
Der Förderverein Proregio Stadtbahn, in dessen Vorstand und Beirat namhafte Nahverkehrsinteressenten vertreten sind, will auch die Innenstadtstrecken mit vorantreiben. Er wird sich womöglich wundern, wenn in Tübingen nicht die nötige Mehrheit zusammenkommen sollte. Dies aber jetzt schon in Abrede zu stellen, würde der Bewegung schon zu Beginn den Schwung nehmen. Wenn nachher das Geld fehlen sollte, dann kann es immer noch eine Abkehr geben.
Wie sagte doch der Landrat bei der jüngsten Kreistagssitzung: »Glück kann man bei so einem Projekt immer brauchen.«