Jetzt hat es ein Ende mit dem Plakatieren. Zwei Wahlen zur selben Zeit, das fordert schon das Auge heraus. Man könnte sich darüber hermachen, wer den plumpesten Werbesatz aufs Plakat gebannt hat. Man könnte auch darüber nachdenken, warum sich die SPD in diesem Jahr so ins Blau verstiegen hat. Vielleicht könnte man auch darüber nachdenken, weshalb sich ausgerechnet die CDU auf Lokalebene in Ironie versucht hat. Geht man von den Ergebnissen der Europawahl in Tübingen aus, so löst sich die Ironie ganz einfach auf, weil sowohl CDU und SPD ganz erhebliche Einbußen hinnehmen mussten. Die Grünen, die 1990 noch aus dem Bundestag gekippt wurden, weil sie sich in den Themen verheddert hatten, dürfen heuer auch lokal mit erheblichen Zugewinnen rechnen. Ganz einfach, weil die Zeit reif ist und die beiden einst großen Parteien gedanklich einmal in sich kehren müssen.

Auch wenn europaweit der Umbruch so stark noch nicht zu spüren ist, weil die Grünen in Osteuropa partout noch nicht Fuß gefasst haben, so muss man sich im näheren Umfeld damit anfreunden, dass es neben der CDU im wesentlichen noch die Grünen und mit Einschränkungen die Sozialdemokraten geben wird. Oder, um mit den Zahlen aus Tübingen zu sprechen, die Grünen sind jetzt ganz vorne: 39,9 Prozent haben sie bei der Europawahl erreicht, 12 Pozent mehr als vor fünf Jahren. Im Gegensatz dazu: CDU brachte es gerade mal auf 16,2 Prozent, die SPD auf 14,4 Prozent. Da wird es höchste Zeit, dass die Bundespartei umsteuert, wennmöglich sogar mit einem Austausch der Personen an der Spitze. Auch wenn in Reutlingen gerade noch die CDU die Nase vorn hat, so darf man soich landesweit darauf einstellen, dass die Grünen in den Großstädten wie Stuttgart, Mannheim und Karlsruhe die Nase vorn haben.

Das ist gewiss ein Zäsur und könnte sich bis zur Bundestagswahl fortsetzen. Ein Zeichen dafür, dass die (einst) großen Parteien am Abdanken sind. Und noch etwas ist bemerkenswert an diesen Wahlen: Zunächst die bunte Vielfalt der Plakate, dann, und das ist schlimmer, die Schludrigkeit, mit der die Plakate aufgehängt wurden. Da sie dieses Mal wohl von einem Service an die Masten geschnallt wurden und die Plakate selber nur noch halb so dick waren, sind sie allzuleicht Ziel für Angriffe geworden. Nicht selten lagen sie nach den ersten Tagen schon am Boden oder waren geknickt worden. Dann hingen Plakate derselben Gruppierung viel zu nahe aufeinander. Da kann sich bei den kommenden Wahlen sich noch einige ändern. Was dieses Mal kaum passierte: dass Plakate beschmiert oder verunstaltet wurden. Daran kann man anknüpfen.