Sie ist die neue Integrationsbeauftragte der Stadt Rottenburg. Ourania Kougioumtzidou hat seit Oktober 2015 die Stelle inne und kümmert sich um die Belange von Migranten. Das größte Aktionsfeld der 35-jährigen Sozialpädagogin war bislang das Integrationsforum, welches sich zweimal im Jahr trifft. Hier sind immer bestimmte Themen vorgegeben, zu denen die Teilnehmer arbeiten und Lösungen für Probleme entwickeln. Doch dies ist der Integrationsbeauftragten und auch dem Integrationsforum zu wenig. So kam die Idee auf, einen Integrationsbeirat zu installieren, der beratende Funktion für den Gemeinderat in Rottenburg haben soll. Man fragt sich vielleicht: Warum noch ein weiteres Gremium. Es gibt ja schon viele Beteiligungsmöglichkeiten für Bürger – oder nicht? Ja und Nein. Denn die »Einheimischen« mit deutschen Wurzeln haben wirklich sehr viele Möglichkeiten, ihre Interessen zu vertreten oder sich in Gremien wiederzufinden. Aber Migranten? Ourania Kougioumtzidou weiß, dass gerade Migranten es in Rottenburg oft schwer haben. »Da wäre ein Integrationsbeirat, der die Interessen von Migranten vertritt, sehr hilfreich.« Denn gerade die speziellen Problemlagen von Ausländern kennen oftmals nur die jeweiligen Landsleute gut. Am Mittwoch, 25. Januar, trifft sich erstmals ein Kreis all jener, die sich für den Integrationsbeirat interessieren. Ab 19 Uhr können sich auch Interessenten für einen Sitz im neuen Gremium bewerben. Die endgültigen Mitglieder, 19 an der Zahl, sollen dann vom Gemeinderat berufen und gewählt werden. Zehn von ihnen sollen Migranten mit ausländischen Wurzeln sein. Fünfmal soll der neue Integrationsbeirat pro Jahr tagen. Dies dürfte eventuell ein bisschen wenig sein, wenn man wirklich die Probleme von Flüchtlingen oder Migranten lösen will. Am 28. März wird der Verwaltungsausschuss des Gemeinderates die Mitglieder des neuen Integrationsbeirates wählen, am 4. April werden die Mitglieder dann offiziell vom Gemeinderat berufen. Dies ist etwas viel Bürokratismus im Vorfeld – die Bürger sollten hier mehr einbezogen werden.

Aufgabe des Integrationsbeirates soll es sein, sich künftig für mehr Toleranz und gleiche Chancen für alle in Rottenburg ein zusetzen. Auch sollen sich die Mitglieder für ein gutes Miteinander einsetzen. Doch Halt: Ist dies nicht Aufgabe von allen Bürgern, sich um mehr Toleranz und ein respektvolles Kommunizieren und Miteinander einzusetzen? Dies sollte jeder jeden Tag aufs Neue tun. Es ist fraglich, ob man hierzu wirklich ein installiertes Gremium wie den Integrationsbeirat braucht. Ja, sagt die neue Integrationsbeauftragte: »wir wollen im Integrationsbeirat Integrationspolitik und den Umgang miteinander mitgestalten.« Zudem sei es wichtig, immer wieder die Probleme und Interesse von Migranten aufzugreifen und diese publik zu machen. Im Integrationsbeirat gebe es die Möglichkeit, dass sich Betroffene auf breiter Ebene wieder finden und vertreten wissen. Gerade die Landsleute von Migranten wissen um Probleme der Migranten – wo diese eben der Schuh drückt. Dies sei bislang alles ein wenig zu kurz gekommen, sagt Kougioumtzidou, die in Kiel Migration an der Universität studiert hat. In München arbeitete sie mit Jugendlichen und kennt daher die Anliegen von Migranten aller Altersgruppen. Man mag nun denken, was man will – jedenfalls scheint der neue Integrationsbeirat eine gute Sache zu werden.
Wünschen mag man den neuen Mitgliedern des Gremiums vor allem Durchhaltevermögen und einen langen Atem, damit es keine »Totgeburt« wird, sondern die Bürger möglichst viel aus dem Gremium erfahren, und dies auch noch in zwei oder drei Jahren. Vielleicht finden sich ja auch deutsche Mitbürger, die der Sache angetan sind und den Integrationsbeirat mit Wohlwollen begleiten. Notwendig ist es sicher, denn nur gemeinsamkann das Miteinander der Kulturen und der Nationalitäten gelingen.