Vor Jahren hatte man die Pläne für eine Radbrücke von der Derendinger Allee über die Bahn bis zum Landratsamt rasch vom Tisch gewischt: zu teuer und Gefahr für Radler und Fußgänger bei einem steifen Wind.
Das alles spielt heute keine Rolle mehr. Heute will man die Nord-Süd-Querung, es ist genügend Geld in der Kasse und ein nicht unerheblicher Teil der Kosten würde der Bund übernehmen. Von der Radinfrastrukturoffensive Tübingen aus der Nationalen Klimaschutz-Initiative bekäme die Stadt rund drei Millionen bei geschätzten Baukosten von fünf Millionen Euro. Und weil man gerade dabei ist: Die Kommune will auch noch eine Radbrücke über die Steinlach und über das Stauwehr gleich mit bauen (insgesamt sieben Millionen Euro). Wichtig auch in diesem Zusammenhang: Tübingen muss seine förderwürdigen Projekte bis 2020/21 realisiert haben, sonst ist die Förderung weg. Wenn man bedenkt, dass die Verhandlungen mit der Bahn nie einfach sind, heißt es jetzt: sputen! Immerhin soll die Ammertalbahn, die darunter führe, elektrifiziert werden.
Doch es sollen auf keinen Fall die Fußgänger zu kurz kommen. Die Kommune kann sich ganz gut vorstellen, dass die Brücke von vier auf sechs Meter verbreitert wird. Das kostete sie weitere zwei Millionen Euro, der Bund würde in diesem Fall 50 Prozent der Kosten übernehmen. Bei Verwaltung und Gemeinderat ist man sich im Klaren, dass die Brücke auf keinen Fall für Fußgänger gesperrt werden kann. Man weiß es von anderen Orten, dass sich Radler und Fußgänger ständig in die Quere kommen. Und da ist auch noch eine Landesgartenschau im Hinterkopf. Für ein solches Event wäre es ganz gut, wenn man einen Übergang von Süden nach Norden hätte. Die neue Brücke wird Bahn und Straße in 6,15 Metern Höhe überqueren, ehe sie dann auf beiden Seiten wieder zu Boden geht. Die beiden großen Schwünge geben dem Bauwerk eine Leichtigkeit, die Tübingen nur gut tun könnte. Elf Stahlbetonpfeiler sollen die Radwegbrücke tragen – hoher Vorfertigungsgrad, schneller Einbau und hohe Belastbarkeit, da ragt das Bauwerk fast schon aus dem Boden. Und weil man schon dabei ist: Wie wäre es mit einem Abgang direkt zum Omnibusbahnhof, wie wäre es mit einer Fahrbahnheizung?
Noch ein paar Zahlen? Die Brücke soll 400 Meter lang werden, die Betonpfeiler sind nach den Planungen 45 Meter auseinander und die Fahr- beziehungsweise Gehbereiche sollen sichtbar getrennt verlaufen. Und schließlich: Das Geländer wird vermutlich 1,30 Meter hoch. Übrigens: Den Blick aufs Schloss stört sie nicht.