Süßer die Kassen nie klingen als am Heiligen Abend. Da in diesem Jahr dieser besondere Feiertag aber auf einen Sonntag fällt, gilt diese bewährte Regel, die man in den Vorjahren in der Region Tübingen und Rottenburg beobachten konnte, nicht mehr. War der Heilige Abend in den Jahren zuvor einer der umsatzstärksten Tage des Jahres, da eben viele Menschen noch Lastminute-Geschenke gekauft haben oder die Discounter stürmten, wird es in diesem Jahr Heilig Abend endlich mal besinnlich zugehen. Frei nach dem Motto: »Stille Nacht, Heilige Nacht.« Dieter Zeiher vom Vorstandsteam des Rottenburger Handels- und Gewerbevereins bringt es folgendermaßen auf den Punkt: »Wer es bis zum Heiligen Abend nicht geschafft hat, Geschenke oder Lebensmittel zu kaufen, dem ist in diesem Jahr nicht mehr zu helfen«. Denn der Rottenburger Einzelhandel hat an diesem Sonntag zu. So wie am Heiligen Abend 2006. Oder auch in früheren Jahren. Doch da, so Zeiher, habe es diese Diskussion um geöffnete Läden nicht gegeben. »Da war einfach klar, es ist Sonntag, der Laden also zu, und basta.« Nun gut. Aber vielleicht darf es ja ein Brötchen oder ein Brot vom Vortag sein? Nein, das muss nicht sein. Denn die Bäckereien haben zum Teil einige Stunden geöffnet. Und auch an den Tankstellen geht zumindest in Rottenburg bis 14 Uhr noch einiges. Dies könnte vielleicht der Rettungsanker für Last-Minute-Geschenke sein, als da wären Alkoholika oder eben Tankgutscheine. Doch ab 14 Uhr ist dann wirklich Schluss, denn auch die Mitarbeiter wollen Heilig Abend feiern. Rottenburgs Oberbürgermeister Stephan Neher, selbst als Junggeselle vielleicht früher auch mal ein Freund von Geschenken auf den letzten Drücker, muss auch umdenken. Zwar habe die Stadt den Geschäften die Möglichkeit der Ladenöffnung am Heiligen Abend in diesem Jahr offen gelassen.
Doch er freut sich, dass alle Einzelhändler die Ladentüren geschlossen lassen, »denn die Mitarbeiter wollen ja auch mal Weihnachten feiern.« Und stehen eben am Sonntag ja sonst auch nicht im Laden. Aldi und Lidl in Rottenburg haben ebenso zu wie Penny oder Edeka, und Norma sowie Netto haben auch zu. Nur in Tübingen ist es anders. Da hat Rewe bis Samstag 24 Uhr geöffnet, also fast bis an den Heiligen Abend heran. Doch nach Null Uhr ist auch hier Schluss und Schicht am Schacht. Rein rechtlich hätten aber die Geschäfte am Heiligen Abend trotz Sonntag aufmachen können. »Da gab es rein gar nichts zu erlauben, da dies gesetzlich so geregelt wurde«, betont Stephan Neher. Er findet es richtig, dass die Geschäfte zu sind, da dann jeder die Möglichkeit hat, den Heiligen Abend mit der Familie zu erleben. Dies ist ja normalerweise nicht der Fall, weiß Dieter Zeiher. »Wenn Heilig Abend ein Werktag ist, haben wir als HGV natürlich auch einige Stunden die Läden geöffnet.« Die Kasse klingelt, hektische Stimmung in den Einkaufsstraßen. Und um den Kunden das Einkaufen zu versüßen und sie in Kauflaune zu bringen, hat der HGV Rottenburg heuer die Stadt in ein Weihnachtseldorado verwandelt. Riesige Drei-D-Sterne mit hunderten von LED-Lämpchen bringen weihnachtliche Atmosphäre in die Rottenburger Altstadt, ebenso wie die neu gestaltete Giebelbeleuchtung der Häuser. In den Gassen herrschte besonders an den langen Samstagen vor Weihnachten dichtes Gedränge, und die Parkhäuser waren alle besetzt. Nikolausmarkt hier, Weihnachtsmarkt da. Und auch in Tübingen herrschte dasselbe Bild. Wie schön, das es heuer am Heiligen Abend ruhig zugeht. Vielleicht rieseln einige Schneeflocken vom Himmel herunter, und es wird endlich so sein, wie man sich Weihnachten vorstellt: Strömen werden nurmehr die Gläubigen zur Christmette in den Dom oder nach St. Moriz, werden endlich mal die Kirchen überfüllt sein und nicht die Einkaufstempel. Und die Kinder gehen zu ihren Krippenfeiern, warten zu Hause aufs Christkind und freuen sich über hoffentlich viele Geschenke – an die man in diesem Jahr einfach etwas früher denken musste.