Wenn das bloß gut geht. Neben Projekten wie dem Neubau der Blauen Brücke, der Radbrücke daneben oder auch der Fußgängerüberführung von der Wilhelm-Keilstraße zum Anlagensee soll der Neckar dort, wo er, wie es heißt, frei fließt und nicht aufgestaut wird, aus seinem festgelegten Bett treten dürfen. »Wir bekommen eine vitale Flusslandschaft in der Stadt, wie sie es in Baden-Württemberg nicht gibt«, freut sich heute schon Sebastian Krieg vom Regierungspräsidium. Gemeint ist die Strecke vom Gelände des Tennisclubs und des Rudervereins entlang der Gartenstraße. 

Sogenannte Störsteine, wahrhaftige Baumstämme und Kiesbänke sollen für unterschiedliche Fließgeschwindigkeiten sorgen, auf der Strecke ist auch an einen Nebenarm gedacht, damit sich Inseln im Fluss bilden können. Damit die Tübinger nicht von vornherein protestieren müssen: Es sollen fast alle Bäume am Ufer erhalten bleiben, die, die gefällt werden müssen, sollen im Flussbett eingebaut werden. Freilich: Bei der naturnahen Gestaltung des Flusslaufs wird der Tennisclub zwei Plätze flussabwärts so drehen müssen, »damit Platz fürs Wasser geschaffen wird«. Der Verein für Sozialpsychiatrie, der an der Gartenstraße in einem Garten Obst und Gemüse anbaut, wird umziehen müssen, mit hoher Wahrscheinlichkeit ins Ammertal. Die Stadt will im Zuge der Bauarbeiten zwischen Neckar und Gartenstraße einen naturnahen Flusspark anlegen. Dafür soll das Gelände, wie es heißt, neu modelliert werden: Neue Uferzonen sollen geschaffen, Kiesbänke angelegt werden. Oberster Grundsatz bei der Umgestaltung soll sein: Die Flussseite an der Gartenstraße soll des Neckars wegen verändert werden und nicht für den Menschen (Baubürgermeister Cord Soehlke).

Einen weiteren Vorteil der Umgestaltung sieht die Stadt auch darin, den Hochwasserschutz zu verbessern. So soll an der Bismarckstraße eine Hochwasserschutzwand die Betriebe gegen eine Flut dämmen, an der hinteren Gartenstraße gibt es dann für anliegende Häuser auch einen Schutz. Vorteil für die Stadt, wenn sie sich jetzt darum kümmert: 70 Prozent der Kosten trägt das Land. Die Gesamtkosten der Maßnahmen werden mit rund drei Millionen Euro angegeben. Das Land trägt davon die Hälfte (Arbeiten am Wasser). Wenn alles nach Plan läuft, soll die Bevölkerung Anfang Juli umfassend informiert werden, es gibt einen Begleitworkshop für die Parkgestaltung. Der Baubeschluss soll 2020 fallen, der Baubeginn ist für Sommer 2022 vorgesehen, eineinhalb Jahren später wird die Unistadt ein Stück wilden Neckars ihr eigen nennen können.