Der Mössinger fährt mit der »S 11« nach Tübingen ins Klinikum, um seine Mutter zu besuchen, der Hechinger mit der Regional-Bahn nach Reutlingen oder Metzingen zum Einkaufen; beide müssen sie nicht umsteigen. Und die Rottenburger Familie, weil Papa heute frei hat, setzt sich in die »S 5«. Sie steigt am Bahnhof Honau aus, um hinauf zum Schloss Lichtenstein zu wandern. Nicht vergessen werden soll der Firmenchef aus Tübingen, der mit der Bahn in knapp 30 Minuten über die neue Wendlinger Schleife zum Flughafens gelangt, wo er eincheckt für den Flieger zum Geschäftstermin nach Hamburg.
»Einfach sitzen bleiben und mit der RegioStadtbahn Neckar-Alb umsteigefrei ans Ziel«: So titelt eine Broschüre, in der auch die visionäre Fotomonate einer moderne Straßenbahn zu sehen ist, die gerade die »Haltestation Gartenstraße/Planie« in Reutlingen passiert. Und die Leser werden dort informiert über die Ideen des Vereins »Pro RegioStadtbahn« (PRS). In dessen Beirat sitzen übrigens alle Landes- und Bundestagsabgeordneten aus der Region.
Die sind allesamt auch Unterstützer des ambitionierten Vorhabens Regionalstadtbahn. Denn selbst wenn die Bahn kein vollkommener Ersatz für den Individualverkehr ist, sollen die Schienenwege, erst einmal intelligent vernetzt, eine attraktive, buchstäblich zugkräftige und nachhaltige Alternative zum Auto sein.
Organisatorisch und planerisch Nägel mit Köpfen machen will nun die PRS um ihren Vorstand Jochen Gewecke. Er und seine beiden Mitstreiter Gunter Koch und Bernd Strobel kamen dieser Tage mit dem Vorstoß, es müsse eine zentrale, hauptamtliche Stelle geschaffen werden, welche die gesamte Projektorganisation übernimmt. Die Arbeit der Landkreise, der Städte und die der Verkehrsgesellschaften könnten so gebündelt werden. 
Ja, das »Modul 1« der Regionalstadtbahn, gefördert vom Land und vom Bund, ist bald planfestgestellt, so Gewecke. Doch sei dies ja nur ein Teil des gesamten Verkehrskonzepts. Geweckes Lamento: »In der Region-Neckar-Alb schwächelt der öffentliche Personen-Nahverkehr (ÖPNV), wir sind da das Aschenputtel«. Längst verkehrt zwischen Karlsruhe und dem fernen Öhringen im Hohenlohischen die Stadtbahn »S 4«. Jetzt drückt die PRS zu recht aufs Tempo, will in Sachen Zukunftsmusik bei uns in der Raumschaft gewissermaßen die erste Geige spielen.
Doch eines ist auch klar: Selbst wenn ein Umdenken der Politik in der Infrastrukturpolitik das Geld sprudeln ließe, muss planerisch in Jahrzehnten gedacht werden. Die Machbarkeitsstudie für die Regionalbahn entstand vor 14 Jahren. Die – zum Glück positive – standardisierte Bewertung, quasi der Startschuss zum Startschuss, ist auch schon fünf Jahre alt.
Und die Deutsche Bahn, die eingebunden sein wird, »rechnet bei Planungsarbeiten immer mit jeweils sieben bis zehn Jahren«, weiß Bernd Strobel, der für das Gesamtnetz mit Kosten von einer Milliarde Euro rechnet. Und die Züge?
Von der Bestellung bis zur Auslieferung können gut sieben bis zehn Jahre vergehen.
Nun sind Gleise für gewöhnlich ja schnell verlegt, und die kosten übrigens vergleichsweise wenig. Vor allem wird es dort günstig, wo die in den 70er- und 80er-Jahren stillgelegten Bahntrassen frei gehalten wurden. In weiser Voraussicht, man könne die Bahn vielleicht doch wieder einmal brauchen, ist das zum Beispiel zwischen Reutlingen, Pfullingen und dem Bahnhof Honau der Fall. Von dort fuhr dann eine Zahnradbahn hinauf auf dir Alb. Selbst diese Trasse wird frei gehalten. Die »Freunde der Zahnradbahn« aus Reutlingen machen wortwörtlich auch Dampf. Ihre Zahnraddampflok »97 501«, Baujahr 1922, ist voll verkehrstauglich, wartet auf ihren Einsatz.
»Pro RegioStadtbahn« steht in den Startlöchern. Gerade weil die bundesweite Konkurrenz um Zuschüsse so groß ist, braucht die PRS diese Stabsstelle, wo die hiesigen Fäden zu bündeln sind. Ein langer Atem sei ihr gewünscht, damit die Region Neckar-Alb herunterkommt vom Abstellgleis.