14 Meter ausgeplottete Pläne des Mittelabschnitts der B 28 sollten bei der Infoveranstaltung auch den letzten Kritiker vom Sinn und Zweck der neuen Straße überzeugen. Und auch der Vortrag von Gunther Junginger, Leiter des Referats Straßenbau Nord beim Regierungspräsidium Tübingen, zielte in diese Richtung. Umso erstaunlicher, dass das Regierungspräsidium und auch Projektleiter Edwin Kuhn viel Gegenwind abbekamen, als schließlich die Frage- und Diskussionsrunde eröffnet wurde. Zum einen wurde kritisiert, dass ein Teilstück der neuen Straße erst im Jahr 2021 für den Verkehr freigegeben wird. So wurde etwa gefordert, einen Zahn zuzulegen beim Weiterbau der B 28. Hier gab es auch Zwischenrufe, die B 28 sei eine »Lachnummer«. Korrekt: Denn wer braucht denn für läppische sieben Kilometer über vier oder gar fünf Jahre Bauzeit? Und dass eine Brückenbaufirma insolvent ging, die am Bau einer Brücke der B 28 beteiligt war, sei nur als Schmankerl am Rande erwähnt. Denn Gunther Junginger betonte, dass auch trotz der Insolvenz des Brückenbauers alles im Zeitplan sei. Nur sorgen Bombenreste des Zweiten Weltkrieges dafür, dass der Kampfmittelräumdienst in einigen Bereichen sehr viel zu tun hat. So wurden bereits an die 2000 Splitterbomben geborgen. Dennoch könne man beim Bau keinen Turbo zulegen, da die Baubranche derzeit mehr als ausgelastet sei. Schade eigentlich, denn man hatte das Gefühl, dass sich die Bürger die Straße so schnell als möglich wünschen. Denn täglich rollen Laster und auch viele Pendlerautos über die beiden derzeitigen Verbindungsstraßen zwischen Rottenburg und Tübingen.
So gibt es die Möglichkeit, über Hirschau zu fahren oder über Bühl, Kilchberg und Kiebingen. Und die Bürger dieser Ortschaften warten sehnlichst auf die B 28 im Neckartal. Doch auch das Thema Öffentlicher Nahverkehr und Regiobahn kam auf. So wurde gefragt, ob man vorgesehen habe, dass die Gleisstrecke irgendwann zweigleisig ausgebaut wird.
Hier gaben Junginger und Kuhn die Verantwortung an die Bahn ab: Diese sei zuständig für die Bahnstrecke. Ein zweigleisiger Ausbau sei nicht vorgesehen. Aber für die Elektrifizierung der Bahnstrecke Tübingen-Horb gebe es noch Platz im Baukörper. Vielleicht ist das ja der Tod der Regiobahn, vermuteten einige Bürger. Auch wurde die Zweispurigkeit des Mittelabschnitts kritisiert: So wird viel Geld ausgegeben, und letztlich wird der Verkehr auf der Straße mit Begegnungsverkehr nicht schneller rollen. Diese Befürchtung ist verständlich, doch Junginger winkte ab. Denn bei Tempo 100 und ohne störende Ortsdurchfahrten sei man sicherlich schneller in Tübingen. Aber dennoch hakt es an allen Ecken und Enden. So kritisieren die Landwirte nicht nur den großen Landschaftsverbrauch. Auch die Distelsamen im Erdaushub machen ihnen zu schaffen. So wachsen an einigen Stellen bereits Disteln im Erdaushub, und diese samen dann auch in die Äcker der Landwirte aus. Hier wird es wohl nur die Lösung geben, dass der Erdaushub schnell abgefahren wird. Aufhorchen ließ allerdings vor allem die Rottenburger ein Nebensatz von Junginger. Er sagte, dass die Stadt Rottenburg über eine Verbreiterung und eine vernünftige Lösung für die Osttangente Richtung Weiler und Hirrlingen nachdenke. Einerseits eine gute Idee, da der Verkehr der B 28 dann flüssig abgeleitet wird. Andererseits muss zumindest das Naherholungsgebiet Rammert und Martinsberg vernünftig erreicht werden können, vielleicht sogar mittels einer Ampellösung. Viel Holz also, und dicke Bretter, die Stadt und das Regierungspräsidium hier bohren werden. Man mag nur hoffen, dass der Verkehr nicht erst 2021 rollen wird...