Es ist kurz gesagt: eine Schweinerei. Seit einigen Monaten suchen Wildschweine im Norden Tübingens Gärten heim und hinterlassen eine Spur der Verwüstung. Das kann natürlich nicht so bleiben und die betroffenen Gartenbesitzer haben sich bereits zweimal getroffen und ihren Unmut geäußert. Mehr als der tiefe Groll blieb ihnen allerdings bislang nicht. Manche von ihnen verstärkten den Zaun ums Haus, bauten Störsender an die Grenze oder zogen Drähte und setzten sie unter Strom.
Bislang außerhalb jeder Diskussion war, und ein Jägerfunktionär konnte das bislang unwidersprochen bestätigen, die Tiere abzuschießen. Das war ganz logisch gedacht, da man keinesfalls in Kauf nehmen wollte, dass ein verirrtes Projektil Passanten treffen könnte. Man spricht da von einem befriedeten Bezirk, in dem nicht gejagt werden darf. Es sei denn: Es dürfen Ausnahmen gemacht werden, wenn, ja wenn, sagt die Stadt Tübingen, der Landrat eine Ausnahme genehmigen sollte.
Diese Genehmigung vor Augen hatte die Unistadt bereits zwei Jäger in die Pflicht genommen, die der Plage Herr werden sollte. 
Das Landratsamt selber hat festgestellt, dass der zu befriedende Norden zum »Jagdbogen Tübingen-West« gehöre, und soweit auf fraglichen Grundstücken Häuser stünden, dürfe man annehmen, dass dort nicht gejagt werde.
Dort aber, wo keine Häuser stünden und keine Zäune diese umhegten, sei das Gebiet nur dann befriedet, wenn dieses von der unteren Jagdbehörde dazu erklärt worden sei. Das aber, sagt der Landrat, habe seine Behörde nicht getan und deswegen könne das Wild bejagd werden. 
Damit auch kein Schuss daneben geht, hat das Amt auch gleich hinzugefügt, dass im unbefriedeten Gelände es einige Wege gebe, die dann doch wieder befriedet sind, alles im »Wildtiermanagementgesetz« Buchstabe für Buchstabe aufgeführt.Hinzu müssten vor dem Halali die Wege abgesperrt werden. Da könnten dann durchaus städtische Mitarbeiter Schmiere stehen.
Wer auf weniger durchgreifende Maßnahmen sinnen sollte, kann sich durchaus einen neuen Zaum um sein Gelände ziehen. Fachmnännische Ratschläge werden von der Stadt gerne und kostenfrei erteilt, eine Kostenübernahme für die Errichtung der Zäune ist allerdings nicht vorgesehen. Klar ist indes, dass, sollte zur Jagd geblasen werden, das Fleisch nicht dem Grundstückeigentümer zufließen würde. Es ist halt, wie so oft im Leben, ganz einfach eine Schweinerei. Oder: Das Schwein hat halt mal wieder Schwein gehabt.