Nein, nicht auch das noch! Hatte man vor gut zwei Jahren noch mit Erfolg verhindert, dass auf dem Tübinger Schlosshof Theater gespielt werden konnte, weil die Zahl der zugelassenen Zuhörer die Veranstaltung vollkommen unwirtschaftlich gemacht hätte, sollen jetzt Veranstaltungen im Kupferbau, der Neuen Aula und zum Teil auch im Hörsaalzentrum auf der Morgenstelle sehr genau unter die Lupe genommen werden. Basis für die weitreichende Überlegung ist die Versammlungsstättenverordnung des Landes von 2012, die nach den vielen Toten bei der Loveparade in Duisburg erlassen worden war. Im Angesicht der Tragödie hat die Verwaltung gleich einen Riegel vorgeschoben, da dergleichen so schnell nicht mehr passieren soll. Selbstverständlich kann man sich nicht darüber hermachen. Selbstverständlich erwartet man von der Verwaltung, dass sie etwas unternimmt zur Gefahrenabwehr. Die Sperrung des Fernsehturms mag da ein gutes – und schlechtes – Beispiel sein. So hat man in Tübingen das Auftaktfest zum Semester schon auf die Morgenstelle verlegt, größere Veranstaltungen in Tal, sowohl in der Neuen Aula und im Kupferbau, will man in Zukunft nicht mehr zulassen. Das könnte unter anderem auch künftig das Studium Generale im Kupferbau betreffen, Kongresse von Uni und noch mehr den Kliniken dürfen nicht mehr das Foyer im Kupferbau nutzen. Das schlägt jetzt doch dem Fass den Boden aus. Eine Verordnung soll die Universität in den Möglichkeiten ihrer Entfaltung so stark beschränken, dass sie sich bestenfalls mit Zelten außerhalb geschlossener Räume zeigen kann.       

Mediziner haben ohnehin ihre Kongresse immer mehr in Richtung Flughafen Echterdingen verlegt. Und wie das am 20. Januar beim Empfang der Stadt Tübingen in der Neuen Aula »gehen« soll, ist so genau noch nicht geregelt. Oberstes Prinzip: Die Gäste müssen für den Fall des Falles Flucht- und Rettungswege nutzen können. Nix mehr mit Buffet, Kaffeetische oder Sektempfang.Vielleicht übernimmt die Öffentliche Hand mehr Risiko, ohne darüber hinwegzusehen, dass der Fall des Falles schon mal eintreten kann. Es ist nunmal unzumutbar, dass Konzertgäste, Studenten und Besucher beim Betreten der Hallen vorsichtshalber einen Helm und eine Spitze mit sich führen müssen. Dann sollte man natürlich auch den Veranstalter bezüglich seiner Verantwortung auch entlasten- oder das Land, dass so sorgfältig und wohl auch mit viel Liebe die Verordnung ausgestaltet hat, muss sich überlegen, ob es seine Einrichtungen finanziell nicht so stark ausstattet, dass sie entweder ertüchtigt werden oder ganz neu gebaut werden. Bloß die Verantwortung nach unten wegtreten, geht nicht. Da ist schon mehr Kreativität nötig, sollen die in den Ministerien doch mal ihren Grips bemühen.

Wie schwer sich die Öffentliche Hand tut, wenn es im wahrsten Sinn Ernst wird, sieht man an den Überlegungen, wie künftig südlich des Dußlinger Tunnels der Verkehr noch mehr heruntergebremst werden kann, »nur« weil ein Auswärtiger einfach nicht den Fuß vom Gas nehmen konnte.
Oder soll man die Überlegungen wägen, wie die Bundesregierung den auffälligen Flüchtlingen zu Leibe rücken will. Hier wird schon lange nicht mehr gedacht, sondern nur noch übers Rückenmark... Da ist echt Feuer unterm Dach.