Nein, das Ende der Fahnenstange ist noch längst nicht erreicht. Hatte man bei der Erneuerung des Fahrbahnbelags zwischen Tübingen und  Bühl geglaubt, jetzt könnte die Welt zusammenbrechen, so sieht man umgeben von Baustellen, Sperrungen, Bahnersatzverkehren und was sich sonst noch anbietet, jede Menge mehr Ärgernisse  um den Bürger zu frustrieren. Die Landesstraße nach Bühl ist gerichtet, dafür dürfen sich nun die Autofahrer damit anfreunden, dass zwischen Tübingen und Unterjesingen bis zum Beginn des neuen Schuljahres nichts mehr geht. Das Regierungspräsidium hatte darauf bestanden, die B 28 für den Verkehr flott zu machen, auch wenn »absehbar« ist, dass die B 28a zwischen Tübingen und Rottenburg kommen wird. Doch wenn die Planungsbehörde nicht das Geld abruft, dann wird es  im nächsten Haushaltsjahr fehlen. Nun könnte man sich ja damit zufriedengeben. Doch das ist ja noch nicht alles.

Die Schönbuchbahn soll zweigleisig werden und - elektrifiziert. Zunächst müssen die, die umsteigen wollen, bis Ende der Sommerferien für die gesamte Strecke den Bus benutzen, mit dem Beginn des Schuljahrs geht es auf der Schiene zumindest zwischen Bebenhausen und Holzgerlingen weiter. Durchgehenden Schienenverkehr wird es erst wieder gegen Ende 2018 geben. Bemerkung am Rande: Es müssen, wie bei Stuttgart 21 zunächst einmal, Zauneidechsen umgesiedelt werden. Bliebe noch die Ammertalbahn. Doch auch dort wird, zunächst ganz routinemäßig, über die Sommerferien dicht gemacht. Hinzu kommt noch, dass in Entringen ein neues Schulzentrum entsteht, die Bahn dort schon wegen der nötigen Unterführung, angehalten werden müsste. Beim Zugverkehr kommt noch hinzu, dass im vergangenen Jahr zahlreiche Ausfälle die Bahnkunden bis an die Grenzen ihrer Belastbarkeit getrieben haben. Die Klagen sind so zahlreich, dass man sich fragen muss, ob nicht das Management auf eine neue Basis gestellt werden müsste. Vielleicht müssten auch die beiden Kreise Tübingen und Böblingen mehr Geld aufwenden, um die Linie attraktiver zu gestalten.

Und weil wir gerade beim Klagen sind: Das Absenken der Schienenstrecke bei Rastatt hat auch für den Raum Reutlingen, Tübingen und Freudenstadt direkte Auswirkungen. Weil die Bahn im Rheintal keine Güterzüge rollen lassen kann, werden diese, konsequenterweise, über Reutlingen, Tübingen und Horb umgeleitet. Das sind  Züge, die länger als 500 Meter sind und außerhalb der Hauptverkehrszeiten rollen. So hat die Bahn ihre Kunden vorsorglich darauf hingewiesen, dass sie zum Beispiel am vergangenen und in den kommenden Wochenende damit rechnen müssen, dass Züge zwischen Tübingen und Rottenburg ausfallen werden und sie mit Busverkehr vorlieb nehmen müssen. Sonst noch was? Jetzt rächt sich, dass der Bund und mit ihm die Bahn über Jahre hinweg einfach zu wenig in die Infrastruktur gesteckt haben. Wie kann man zum Beispiel im Rheintal auf der Hauptachse gerademal zwei Schienenstränge laufen lassen, ganz abgesehen, dass man der Schweiz versprochen hatte, dass ihre Vorleistungen (Gotthardtunnel) durch den Ausbau im Lande kompensiert werden? Die Schweiz hat geleistet, die Bahn (die BRD) dagegen nicht. Hatte die CDU nicht unlängst einen ihrer ahnungslosen Hoffnungsträger bei der Bahn untergebracht, der unlängst einen ICE genau dort taufte, wo es keine Oberleitung gab und der Zug mit einer Diesellok geschleppt werden musste?


Das war auch in der Region zu beobachten: Dort musste ein ICE mit einer Diesellok Richtung Hamburg geschleppt werden, weil die Strecke von Westen her nicht elektrifiziert und die Strecke im Rheintal eben gesperrt ist. Man sieht, es tut sich was. O Deutschland, tapfer Vaterland!