Die Diskussion um die Zukunft des DHL-Areals in Rottenburg dauert bereits über sieben Jahre an. Immer wieder wurden Investoren an Land gezogen, die an der Aufgabe scheiterten. Ein neuer Investor soll es nun richten: Er ist überzeugt, dass man bis zum August Cash auf den Tisch legen kann für den Erwerb der Grundstücke und für die Ansiedlung des Einzelhandels sowie für den Bau der Gebäude. Der Stadt liegen bereits Mietverträge auf dem Tisch. Einziger Haken: Der gewünschte Elektromarkt ist nicht dabei.
Einig sind sich Oberbürgermeister Stephan Neher, Finanzbürgermeister Hendrik Bednarz und Baubürgermeister Thomas Weigel, was die Marschrichtung für das DHL-Areal betrifft. Hier bekommt derjenige Investor den Zuschlag, der bis Mitte oder Ende diesen Jahres einen Elektromarkt präsentiert. Bis dahin wird eine Fläche im DHL-Gelände frei gehalten für eine Gewerbeansiedlung. Sollte kein Investor einen Elektromarkt an Land ziehen können, wird die Fläche mit Wohnungen überbaut. Einer fühlt sich durch diese Vorgabe von der Stadt ziemlich verprellt: Investor Heinrich N. Koch aus Rheinhausen. Er habe der Stadt Mietverträge mit einer Bäckerei, einem Waschsalon, einer Tankstelle, einem Getränkemarkt und einem Möbelhaus sowie einem Gartenmarkt präsentiert. Trotzdem hat er den Zuschlag für die Gewerbefläche nicht bekommen. Er weiß, dass zwei Bauträger bislang an dem Projekt DHL-Gewerbegebiet gescheitert sind.
Aufgrund des bisherigen Scheiterns hat die Stadt zwei der Wohnbauflächen an einen Investor vergeben, eine Bauträgerfirma aus der Region. Die mittlere Tranche für Wohnen am Rande des Wohngebietes Dätzweg ist der Rottenburger Wohnungsbaugesellschaft vorbehalten. Im Erdgeschoss aller drei Gebäudespangen wird es Einzelhandel oder Dienstleistungen geben. Zudem sind eine Tankstelle und eine Bäckerei entlang der Osttangente geplant. Baubürgermeister Thomas Weigel schränkt ein, dass die drei Rottenburger Tankstellen über die neue Konkurrenz nicht begeistert sein werden. Ob die Tankstelle gebaut werde, »hängt davon ab, ob wir einen Investor finden, der einen Elektromarkt mitbringt«, so Weigel.

Koch präsentierte der Stadt sieben Absagen von Elektromärkten, auch Mediamarkt und Saturn sollen abgesprungen sein. »Dennoch halten wir an daran fest«, betont Weigel im Gespräch mit unserer Zeitung: »Alle anderen Einzelhändler hat man schnell beisammen.« Denn ein Elektromarkt fehle im Angebot des Gewerbestandortes noch. Koch jedoch ist der Meinung, dass die Bevölkerung von der Stadt an der Nase herumgeführt wird. Der Gewerbepark Dätzweg sterbe, wenn man keinen Elektromarkt verpflichten könne. »Die Leute warten aber darauf, damit sie wohnortnah einkaufen können.« Neher aber will von seiner Linie nicht abrücken. Kürzlich entschied der Gemeinderat, eine Spange im Mischgebiet Dätzweg mit Wohnungen zu überbauen. Hier sollen 60 Wohneinheiten entstehen, so Weigel. Nachdem sich die Ansiedlung des Einkaufszentrums erheblich verzögert, beschloss der Gemeinderat bereits im Dezember 2015, den Bebauungsplan Mischgebiet Dätzweg mit Wohnungen aufzustocken. Damit wurde das fast acht Hektar große Gebiet in die Abschnitte Mischgebiet, Sondergebiet und künftiges Gewerbegebiet gegliedert. Im Süden des Areals soll dadurch der Bedarf an preiswertem Wohnraum gedeckt, auf 15 Hektar 175 Wohnungen realisiert werden. Die Quartiere Mischgebiet eins und drei wurden Wohnungsbaugesellschaften in einem Bieterwettbewerb zum Kauf angeboten. Eine Beschlussfassung hierzu erfolgte Ende Januar diesen Jahres. Die Mischgebietsfläche M2 geht an die Wohnungsbaugesellschaft der Stadt Rottenburg, die 60 Wohneinheiten bauen will. Schade, dass alles mit dem Elektromarkt steht und fällt. Es ist möglich, dass die Gewerbeansiedlung zur bitterbösen Lachnummer verkommt. Mal schauen, was noch kommt. Abgeholzt und plangewalzt ist das Areal bereits.

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