Das Interesse der Bürgerschaft an der Einwohnerversammlung in der Zehntscheuer ließ sehr zu wünschen übrig. Dabei waren die Themen umso spannender. So etwa die Frage, wie es weiter geht mit dem Bermuda-Areal am ehemaligen Güterbahnhof oder mit dem Bahnhofsgebäude. Dort konnte man ja in den vergangenen Wochen und Monaten keine Veränderung feststellen. Dies hat laut Oberbürgermeister Stephan Neher auch einen Grund: Zuerst mussten für die Umbaupläne des Bahnhofes die Hürden der Denkmalpflege genommen werden.
Doch dass der Baubeginn erst gegen Ende des Jahres sein soll, leuchtet trotzdem nicht ganz ein. Denn die Pläne haben schon Charme. So soll im Erdgeschoss des alten Bahnhofsgebäudes eine Bäckerei entstehen, zudem soll es für die Reisenden eine Gastronomie geben und einen schön gestalteten Wartebereich. Auch wird die Bahn wieder einen Fahrkartenverkauf anbieten – dies ist der Wunsch vieler Bürger, da die Fahrkartenautomaten immer wieder streiken. Im ersten Obergeschoss ziehen Arztpraxen ein, und eine Rechtsanwaltskanzlei lässt sich dort nieder.
Wohn- und Gewerberäume ergänzen das Sammelsurium. Neher sagt, dass die Hauptstraße der Stadt, die Verbindung aus der Altstadt zum Bahnhof, also die Bahnhofstraße, als Verbindung besser funktionieren soll. Vor dem Bahnhof soll zudem eine Platzsituation entstehen. Das Sanierungsgebiet rund um den Bahnhof wird acht Jahre andauern.
  In dieser Zeit kann man ja sicher einen Knopf an die Planungen dran machen! Neben dem Bahnhof soll zudem ein Biergarten entstehen sowie einen Parkplatz für Kurzparker. Ziel sei es nun, in ein Sanierungsprogramm der kleinen Bahnhöfe reinzukommen, so Neher.
Hinter dem Bahnhof soll zudem ein Parkhaus gebaut werden. Hier könnten Autofahrer dann endlich aufatmen – immer wieder sind alle Parkhäuser belegt. Die Verkehrssituation sieht auch Oberbürgermeister Stephan Neher als große Herausforderung für die Stadt. Nur einen Steinwurf vom Bahnhofsgebäude entfernt entsteht etwas Größeres. Endlich rollt hier der Bagger, und die Bürger können sehen, dass hier was geht. Aber was eigentlich genau?
Entstehen soll hier die Zentrale der Kreissparkasse Tübingen in Rottenburg, zudem soll ein Biosupermarkt gebaut werden. Gut. Denn solch eine Möglichkeit fehlte bislang in der Neckarstadt. Aber Kreissparkasse? Die Bank selbst begründet es mit der verbesserten Parksituation und der beengten Raumsituation am Marktplatz. Das Gebäude Marktplatz soll nach einer Übergangszeit ganz aufgegeben werden. Was dann mit dem prominenten Gebäude im Zentrum der Stadt passieren wird, ist derzeit noch unklar.
Schade eigentlich, dass sich die Kreissparkasse dann auf das Gebäude in Bahnhofsnähe konzentrieren wird. Denn wenn man in der Stadt gebummelt ist, war die Sparkasse am Marktplatz immer ums Eck. So heißt es künftig: Ins Auto setzen und einen der wenigen Parkplätze vor dem neuen Gebäude erheischen.
Andererseits können jetzt etwa gehbehinderte Menschen bis vors Haus der Sparkasse fahren und barrierefrei ihre Bankgeschäfte erledigen. Auch gut! Unterm Strich kann man festhalten, dass sich was tut in der Poststraße und am Bahnhofsgebäude. Dann hat die Stadt nach Fertigstellung beider Bauvorhaben endlich eine schöne Visitenkarte am Entrée der City. Auch für all jene, die mit dem Zug nach Rottenburg fahren, etwa von Tübingen kommend, wird es dann etwas ansprechender gestaltet sein. Man darf nur hoffen, dass die hochtrabenden Planungen bald umgesetzt werden. Insbesondere das Parkhaus am Bahnhof wird von vielen bereits sehnlichst erwartet, denn die Parksituation ist schon sehr prekär. Aber wie sagt man so schön: Abwarten, und Tee trinken...