Das Hallenbad Nord hat sich am 26. Juli in die Sommerpause verabschiedet, in der die alljährliche routinemäßige Revision anfällt. Vor einer Woche ließen die Tübinger Stadtwerke (SWT) als Betreiber des Hallenbads verlauten, dass dieses nicht, wie vorgesehen, am 17. September wieder geöffnet werde, sondern sich die Sommer-Schließzeit auf unbestimmte Zeit verlängere. »Fachprüfer gaben nun überraschend die Empfehlung, tragende Bauelemente genauer zu untersuchen«, heißt es in einer Pressemeldung des Unternehmens. Und lapidar weiter: Schulen und Vereine, die das Hallenbad Nord für den Schwimmunterricht und das Schwimmtraining nutzen, seien von den SWT über die Stadtverwaltung »bereits« informiert worden. 
Dass die Stadtwerke auf den Tag genau sechs Wochen gebraucht haben, um ein mit der statischen Untersuchung beauftragtes externes Ingenieurbüro zu der Erkenntnis kommen zu lassen, Bauteile müssten mal etwas »genauer« unter die Lupe genommen werden, verwundert weiter nicht, schließlich war ja Urlaubs- und Ferienzeit. Da darf man’s schon mal etwas ruhiger angehen und die Seele baumeln lassen. Die Behäbigkeit des kommunalen Versorgers überrascht auch deshalb nicht, da man sie bereits kennt: etwa wenn in der dem Hallenbad angeschlossenen Sauna eine Störung auftritt und in der Folge eine der Schwitzkabinen über Wochen außer Betrieb ist. Was für die Besucher nur ärgerlich ist. 

Doch die vorläufige Komplett-Schließung des Hallenbad Nords ist schlichtweg ein Fiasko. »Der Worst Case ist eingetreten«, sagt Thomas Fischer auf Nachfrage. Der Vorsitzende des Tübinger Schwimmvereins ist erstaunt darüber, dass die baulichen Mängel »erst jetzt zum Ende der Ferien festgestellt« wurden. »Es ist eine schwierige und bedauerliche Situation auch für die Öffentlichkeit«, erklärt er. Knapp 234 000 Besucher kamen im vergangenen Jahr ins Hallenbad Nord, rund 16 000 in die Sauna, die ebenfalls geschlossen bleibt.
Der hiesige Schwimmverein ist mit rund 1000 Mitgliedern der größte Schwimmverein in Baden-Württemberg. Zwei Drittel von ihnen, die meisten Jugendliche, sind im Breitensport aktiv. Allein 700 Kinder gehören dem Verein an. »Denen müssen wir jetzt sagen: Leute ihr könnt nicht schwimmen«, so Fischer. Schlimmer noch sind die Schulen dran. Sie frequentieren die Tübinger Bäder extrem und fast doppelt so hoch wie im Landesschnitt. 
Die Bäder-Situation in der Uni-Stadt ist deshalb schon seit Jahren angespannt. Das wissen die Verantwortlichen und der Gemeinderat. Der Arbeitskreis Bäder (AK Bäder), dem neben dem Schwimmverein auch der Post-SV, die DLRG-Ortsgruppe, die Rheumaliga (mit rund 1000 Schwimmern), die Tübinger Schulen, sowie die Stadtverwaltung und die Stadtwerke angehören, hat eine Bäderkonzeption vorgelegt und in einem Positionspapier deutlich gemacht, dass sich dringend etwas ändern müsse.
Doch die vorgeschlagenen Varianten, eine davon sieht ein neues zusätzliches Hallenbad vor, kosten zwischen zirka zehn und 20 Millionen Euro plus noch nicht kalkulierter weiterer Sanierungsaufwendungen. Zuviel, denkt die Stadt, und will sich das nicht leisten.
Stattdessen leistet sie sich zwei halbmarode Hallenbäder, denn auch das Uhlandbad ist sanierungsbedürftig, soll überdies irgendwann vielleicht ganz geschlossen werden. 
Wie es nun weitergeht, ist völlig unklar. Das Uhlandbad ist für kleine Kinder ungeeignet. Der Schwimmverein hat bei der Universität wegen einer Mitnutzung der Schwimmhalle des Sportinstituts bis zum Semesterbeginn angefragt.
Auch das Schwimmbad in der Kirnbachschule in Pfrondorf ist noch eine Option. Der Verein versucht zudem, kurzfristig in Tübingens Nachbarschaft weitere alternative Wasserflächen aufzutun. 
Doch was bieten die Stadtwerke an? »Ausreichend warme Temperaturen vorausgesetzt, planen die SWT, das Freibad als Ausweichmöglichkeit weiter geöffnet zu lassen.« Das ist schön gedacht, wird sich aber bald von selbst erledigen. 
Ob und welche Statikprobleme es im Hallenbad Nord gibt, soll jetzt ermittelt werden. »So schnell, wie möglich«, sagt SWT-Pressesprecher Ulrich Schermaul auf Nachfrage. Bis Mitte September wollen die SWT dazu Näheres in Erfahrung gebracht haben.