In der Universitätsstadt steht zu wenig Schwimmfläche zur Verfügung. Um Abhilfe zu schaffen, haben Vertreter des Tübinger Arbeitskreises Bäder in der vergangenen Woche an Oberbürgermeister Boris Palmer eine Liste mit mehr als 3 500 Unterschriften übergeben, die Forderung: ein neues zusätzliches Hallenbad mit 50-Meter-Becken. Der Tübinger Gemeinderat und der OB befürworteten den Vorschlag in den darauffolgenden Haushaltsberatungen. Sämtliche Fraktionen schlossen sich dem »Nord-Süd-Konzept« des Arbeitskreises im Wesentlichen an und sprachen sich für ein neues Hallenbad-Süd aus, voraussichtlicher Standort soll beim Freibad sein. Im Haushaltsentwurf 2019 wurde jetzt eine Planungsrate für die Erweiterung der Wasserflächen in Höhe von einer Million Euro beantragt.
Zur Erinnerung: Bereits im Herbst 2015 legten die Bädernutzergruppen in einem Positionspapier das »Tübinger Bäderkonzept 2030« vor, in dem sie unter anderem die Dringlichkeit der Erweiterung der Schwimmflächen angemahnt haben. 2016 gründete sich der Arbeitskreis Bäder. Dazu gehören neben den größeren Schwimmsport treibenden Vereinen und der Rheumaliga die Stadtwerke Tübingen (SWT) als Badbetreiber sowie Vertreter der Schulen, des Stadtverbands für Sport und der Fachabteilung Schule und Sport als Träger der städtischen Schulen.
In seinem Bäderkonzept favorisiert der Arbeitskreis schon seit Längerem das »Nord-Süd-Konzept«. Neben dem Neubau eines Hallenbad-Süd soll das Hallenbad-Nord (weiter) saniert und das Uhlandbad in absehbarer Zeit geschlossen werden.
Die andere Variante, das sogenannte Weiterführungskonzept, sieht vor, Uhlandbad und Hallenbad Nord zu sanieren und zudem eine Traglufthalle als Provisorium während der zweijährigen Schließzeit auf dem Schwimmerbecken des Freibads zu errichten. Das Weiterführungskonzept würde, so Schätzungen der SWT aus dem vergangenen Jahr, rund 10,5 Millionen Euro kosten, das »Nord-Süd-Konzept« mit 25-Meter-Becken inklusive Lehrschwimmbecken und Kinderplanschbereich rund 12,3 bis 14,3 Millionen Euro. Die Lösung mit 50-Meter-Becken wäre noch einmal fünf bis sechs Millionen Euro teurer. Zu berücksichtigen sind dabei mögliche Kostensteigerungen von zirka 35 Prozent.
Das Uhlandbad soll also über kurz oder lang schließen. Es ist noch nicht lange her, da regte sich im Gemeinderat gegen diese Option heftiger Widerspruch, denn einige Stadträte wollten eine Weiternutzung des Uhlandbads einbeziehen. Auch die SWT planten die Modernisierung des über 100 Jahre alten und unter Denkmalschutz stehenden Bades. In einer Pressemitteilung vom März 2016 erklärten die Stadtwerke: »Das Uhlandbad ist … ein lebendiges Bäderdenkmal in Tübingen … 36 Stunden pro Woche nutzen insgesamt elf Vereine Uhlandbad und Hallenbad Nord. Hinzu kommen noch die Belegungen durch 29 Schulen. Die Wasserflächen der Bäder sind also stark frequentiert und haben einen hohen Stellenwert für die Vereine und Schulen … Die technisch notwendige Sanierung [des Uhlandbades] bietet gleichzeitig eine Chance, um zum Beispiel das stattliche historische Gewölbe wiederherzustellen … Priorität hat für uns der Bestandserhalt der Bäder. Gleichzeitig prüfen wir, ob sich die notwendigen Baumaßnahmen mit Attraktivitätsgewinnen kombinieren lassen, die zusätzliche Mehrwerte für unsere Badegäste bringen.« Rund 70 000 Besucher zählt das Uhlandbad pro Jahr. Darunter sind auch viele ältere Menschen, die es ohne Umstände zu Fuß erreichen können. Das Uhlandbad ist unverzichtbar, auch wegen seiner zentralen Lage. Und es kann nach Einschätzung der SWT »mit technischen Reparaturen noch einige Jahre gut betrieben werden«. Am 25. Juli 1914 als erste »Vollbadeanstalt« der Stadt eröffnet, beherbergte es seinerzeit eine Schwimmhalle, Brause- und Wannenbäder, ein russisch-römisches Bad mit Dampf- und Heißluftbad sowie Kohlensäurebäder. Auch Massagen kamen zur Anwendung. Mit ähnlichem Konzept, ergänzt durch zeitgemäße Reha-Angebote, könnte das Uhlandbad als moderne Gesundheits-Präventionseinrichtung für die Zukunft fit gemacht und erhalten werden. Will heißen: »Nord-Süd-Konzept« kurzfristig, Sanierungsfall Uhlandbad mittel- bis langfristig.