Mal kein Schwimmbad und auch kein Konzertsaal, wenngleich das Thema in Tübingen noch längst nicht ausgestanden ist. Es wäre vielleicht wieder an der Zeit, darüber nachzudenken, wie die Bundesstraße 27 in Tübingen und nach Nehren in Richtung Bodelshausen weitergeführt werden soll. Wobei die Verkehrsführung selber eigentlich schon festgelegt ist, darf man darauf hoffen, dass all die Zusicherungen so bald wie möglich auch eingelöst werden.
Während die Kosten für den Schindhaubasistunnel mit bislang knapp 220 Millionen Euro genannt werden, darf man davon ausgehen, dass dieses Projekt so rasch nicht kommen wird. Es hat sich bislang noch niemand erweichen lassen, die täglichen Fahrzeugschlangen zwischen der Abfahrt der B 27 zur Landesstraße in Richtung Lustnau und der Galgenbergkreuzung abbauen zu helfen. Inzwischen sind die Kosten dank Tübinger Renitenz auch so stark angestiegen, dass man eine Realisierung kaum zu wünschen wagt.

Vorsichtshalber hatte vor vier Jahren ein Zeitgenosse einmal gesagt, dass es wohl noch 20 Jahre dauern werde, bis der Tunnel durch den Berg sei. Bei dem Teilstück der B 27 zwischen dem Umspannwerk Nehren und Bodelshausen sind die Vorzeichen günstiger. So könnte bis 2021 die, wie es heißt, Ausführungsplanung abgeschlossen sein, Ende 2022 könnte man mit den Bauarbeiten beginnen. Und wenn alles dem Plan nach geht, könnte der vierspurige Ausbau vier Jahre später abgeschlossen sein. Rund 60 Millionen Euro soll das sieben Kilometer lange Straßenstück kosten. 15 Brücken sollen errichtet werde. Die dann alte B 27 wird dann den Verkehr zwischen den Orten leiten. Auch an die Fauna haben die Straßenplaner gedacht. Kröten, Echsen und sonstiges Getier kann auf einem Grünstreifen neben der Brücke hoch zum Endelberg queren. Und: südlich der künftigen Rastanlage wird eine 50 Meter lange und 30 Meter breite Grünbrücke dem Wild den Weg über die Straße weisen.

Ungewollt haben die Planer immerhin noch Geld gespart, als der Bundesrechnungshof die geplante Galerielösung, die zur Dämmung des Verkehrslärms gedacht war, verworfen hatte. Wie viel tatsächlich eingespart wurde, ist so genau noch nicht festzustellen. Immerhin hatten die Planer Steilböschungen, Schutzwände und Erdwällen vorzusehen. Und: Die neuen Planungen nahmen immerhin fast zehn Jahre in Anspruch. Man muss sich natürlich fragen, warum die Planungen so in Verzug geraten sind. Das lag zum einen daran, dass man sich bei den Gemeinden über die Straßenführung rund um Ofterdingen nicht so klar war. In Tübingen, wo die Uhren ja ohnehin anders gehen, stritt man sich jahrelang darüber, ob der Verkehr über den Schindhau geführt werden sollte oder durch ihn hindurch. Die Tübinger haben sich am Ende durchgesetzt, dafür ist die Planung noch nicht umsetzungsreif.Hinzu kommt noch, dass wohl auf der parlamentarischen Ebene es an dem nötigen Durchsetzungswillen gefehlt hat. Man möge einmal darüber nachdenken, wie elegant die Bayern die A 8 zwischen Augsburg und Ulm realisiert haben. Vergessen wir nicht, dass inzwischen in Unterjesingen der Wunsch vorangetrieben wird, die B 296 (alte B 28) auf Gemeindemarkung zu versenken. Auch wenn dieser Wunsch nicht realisiert wird, sieht man doch, wie man dort Zukunft gestalten will.