Der Epple-See in Hirschau ist ein Natur-Kleinod. Er liegt in einer ehemaligen Kiesgrube und dient Vögeln und Wassertieren als Rückzugsgebiet. Den See schätzen Angler und viele Menschen, wenn sie im Sommer ein erfrischendes Bad nehmen wollen – einige von ihnen gerne nackt. Der Baggersee ist kein Badesee, aber baden ist ganzjährig erlaubt. Der Eintritt ist frei.
Das war schon immer so und hat sich bewährt. Doch seit einiger Zeit fühlen sich nicht nur Hirschauer Bürger, sondern auch angereiste Badegäste zunehmend unwohl. Geklagt wird über offene Feuerstellen, verwesende Karpfenfische, nicht angeleinte Hunde, über deren Fäkalien und die von Menschen, über zunehmende Vermüllung, Glasscherben, laute Partys, nicht vorhandene Einstiegshilfen für Menschen mit Behinderung sowie fehlende Bereiche für Familien mit Kindern. Vor allem jedoch über Belästigungen durch die Nacktbadenden. Sie nutzten unbekleidet die Wege um den See und verschreckten damit unter anderem Minderjährige, heißt es. Es gab, Zeugenaussagen zufolge, auch sexuelle Handlungen spazieren gehender nackter Besucher. Wer vor 35 Jahren aus der Fremde nach Tübingen kam, etwa um hier seinen Zivildienst zu leisten, wurde mit dem Epple-See sogleich bekannt. »Kommst’ mit, wir fahren g’schwind raus nach Hirschau zum Schwimmen«, hieß es am ersten lauen Sommertag, schnell schlossen sich erste Freundschaften. Am See waren die Nachwehen der Hippie-Kultur noch spürbar, es herrschte sanfte Anarchie. Jeder duzte jeden, nach kurzer Zeit kannte auch jeder jeden. Man sprang nackt in den See. Wem das Bier ausgegangen war, bekam eins vom Nachbarn geschenkt. An die Nächte am Lagerfeuer mit Liedern und Gitarren erinnerte man sich noch lange, manchmal wurden richtige Sessions in Bandbesetzung daraus. Wer spät eingeschlafen war, wurde von der Sonne und von Vogelgezwitscher geweckt. Auf dem Schlafsack funkelte der Tau. Bevor es dann heimging, wurde der Müll eingesammelt – jedenfalls meistens. 
Doch die Zeiten haben sich geändert. Inzwischen ist der Epple-See beliebtes Naherholungsziel und über die Kreisgrenzen hinaus weithin bekannt. In Internetforen wird er als FKK-Eldorado gepriesen, nicht nur wegen seiner guten Wasserqualität.
Die Besucher strömen, nicht nur im vergangenen langen und heißen Sommer. Der See wird multifunktional genutzt, verbunden mit teils sehr unterschiedlichen Intentionen: der Fischer und Angler, der Naturschützer, der Einheimischen, schließlich der Badenden, ob nackt oder bekleidet. 
Auf das berechtigte Interesse der verschiedenen Nutzer-Gruppen hat jetzt Hirschaus Ortsvorsteher Ulrich Latus hingewiesen. Gemeinsam mit dem Ortschaftsrat will er vorschlagen, diejenigen »Uferbereiche zu beschildern, in denen Nacktbaden zulässig ist, damit sich Menschen nicht nackt auf den Wegen oder anderswo mit scheinbarer Duldung aufhalten«. Sprich: getrennte Liegezonen für Nackt- und Textilbader ausweisen.
Bislang gibt’s am Epple-See ohnehin schon etliche getrennte Bereiche: von Büschen und Bäumen umrandet, finden sich an den Uferzonen mehrere Spiel- und Liegewiesen. Die Flachwasserzonen am Ost- und Nordufer sind als Laichgrund den Fischen vorbehalten. Auf der Halbinselspitze besteht Badeverbot, weil im gegenüberliegenden Naturschutzbereich Vögel brüten. Aber was wollen Exhibitionisten dort? Eier suchen? 
Der Vorstoß von Latus ist richtig und gut durchdacht. Differenziert er doch zwischen jenen, die nackt schwimmen und sich textilfrei sonnen wollen, wogegen nichts einzuwenden ist, und denen, die glauben, sich überall am See nackt zur Schau stellen zu müssen. Auch ein Müllcontainer soll wieder her, obwohl der früher einmal aufgestellte immer wieder von »Müllpiraten«, die dort ihren Hausmüll deponierten, frequentiert wurde.
Am Epple-See braucht’s keine harte Hand des Gesetzes und keine Security, wie schon gefordert wurde. Vielleicht könnte er aber dank umsichtiger Entscheidungen der Verwaltung, bürgerschaftlichen Gemeinsinns und gegenseitiger Toleranz als Kleinod erhalten bleiben.