Vom Steinenbergturm im Nordwesten des Uniklinikums Tübingen aus sieht man gleich, wo es lang gehen soll. Im Hintergrund die vielen Klinikumsgebäude, unterhalb des Turms Baumwiesen und ein Stückchen Wald. Die freie Fläche wird, so sieht es aus, in absehbarer Zeit gebraucht – für ein noch mehr wachsendes Klinikum. Von einem »Jahrhundertprojekt« spricht man in Tübingen allenthalben, bis 2050 gehen die Planungen. Und damit der Betrachter auch weiß, woran er ist, spricht man von vornherein von Kern- und Saumkliniken, Erweiterungsflächen sind aus dem oberen Schnarrenberg hin zum Steinenbergturm und zur Sarchhalde gleich unterhalb der Schnarrenbergstraße im Osten in Reserve. Klinikumschef Michael Bamberg drückt das so aus: »Wir werden erst die Möglichkeiten im Klinikareal ausschöpfen«, ehe man an eine Erweiterung außerhalb gehe. Das hört sich gut an. Übrigens: Oberhalb der Augenklinik sind erst vor Kurzem Obstbäume als Ausgleich für das Parkhaus gepflanzt worden. Im Einzelnen: Die Kliniken auf dem mittleren Schnarrenberg werden neu geordnet, zu einem großen Teil sogar neu gebaut. Bisher geht man davon aus, die Nutzfläche um ein Drittel zu erhöhen. Erhalten bleiben soll dabei das Doppelkreuz der Crona-Kliniken, im Süden wird an die Medizinische Klinik ein Gelenkbau angelehnt,  der fast neue Bettenbau wird aufgestockt.

Neu gebaut wird auch am Eingang der Elfriede-Aulhornstraße die Transfusionsmedizin, hinzu kommen ein neues ambulantes Zentrum, die Notaufnahme soll am Ende zentral erfolgen. 
Mit in den Planungen sind die Verlagerung der Zahnmedizin, die Hautklinik und die Frauenklinik, dies allerdings nicht vor 2035. 
Wichtig für die Planungen bis 2050: Klinische Forschung und medizinische Versorgung soll dann am Ende nicht länger getrennt sein. Dafür werden Häuser für die Schwerpunkte Krebs-, Diabetes- und Infektionsforschung erstellt.
Auch wichtig: Das Klinikum soll dann in seiner Endausstattung von der Schnarrenbergstraße her einen gut sichtbaren Eingang haben. Schließlich, auch daran hat man gedacht, will man die Wege für die Patienten so kurz wie möglich halten. Das soll ein Wegekreuz Ost-West in der Mitte des Areals ermöglichen. 
Ganz wichtig aufgrund der ständigen Missstimmung zwischen Stadt und Klinikum: Die beiden Parkhäuser werden abgerissen und durch ein neues ersetzt. Mehr Parkplätze soll es indes nicht geben.
Und nun? Vielleicht hat man es hinter verschlossenen Türen diskutiert, ein Thema in der Öffentlichkeit war es eigentlich nicht: Warum hat bei der Planung des »Jahrhundertprojekts« eigentlich keine Rolle gespielt, ob ein Zusammengehen mit Reutlingen vielleicht eine bessere Alternative gewesen wäre. Es zeigt sich halt, dass es vielleicht doch besser wäre, wenn ein Ministerium etwas mehr von dem Geschäft Uniklinikum verstünde und die Ansprechpartner auf der anderen Seite vollkommen unbeschwert und mit neuen Ideen sich um die Angelegenheit kümmern könnten.