Nein, das müsste so nicht sein. Über Monate hatte das Management der Ammertalbahn, das im Landratsamt Tübingen gebündelt wird, sich mit Klagen von Fahrgästen auseinanderzusetzen. Die Kunden hatten sich nicht nur über zu volle Wagen, wenig verlässliche Abfahrtszeiten, Ausfälle von Zügen oder ähnlicher erheblicher Mängel auseinanderzusetzen. Damit die ganze Angelegenheit den Nahverkehrlern vom Amt nicht über den Kopf wächst, hat der Landkreis jetzt so etwas wie einen »Troubleshooter« angestellt. Mit Gerhard Schnaitmann, der schon in Landesdiensten die Weichen für einen effektiveren Nahverkehr gestellt hatte, hofft man, die Ammertalbahn erst mal richtig auf die Schiene zu stellen. 
Schnaitmann soll, so die Absicht von Landratsamt und Troubleshooter, »direkt ins Betriebliche« eingreifen. Das wird so einfach nicht sein. Schnaitmann hat vernehmen lassen, dass er so schnell wohl keine Erfolge erzielen werde. Hauptgrund für den Zweifel ist: Der Fuhrpark ist zu alt. Und so ganz einfach einmal neue oder neuere Wagen aufs Gleis zu stellen, geht nicht. Abgesehen davon, dass die Kosten schwer zu verkraften sein werden, stehen ganz offensichtlich Ersatzfahrzeuge nicht zur Verfügung. Und die beiden Kreise Tübingen und Böblingen dürfen nicht aus den Augen lassen, dass sie nicht nur die eingleisige Strecke erweitern wollen. Über kurz oder lang soll die Regionalstadtbahn zwischen Bad Urach und Herrenberg elektrifiziert werden.
Da tut man sich schwer, außerordentliche Ausgaben zu vertreten. Bleiben jetzt, wie Schnaitmann sagt, zunächst einmal kleine Verbesserungen.
So zum Beispiel muss seiner Ansicht nach großer Wert auf eine angemessene Information der Fahrgäste gelegt werden. Diese haben sich immer schon darüber beklagt, dass sie der Unternehmer, die Bahn, oftmals im Stich lässt. Wobei man sagen muss, dass das eigentlich kein Wunder sein kann, wenn man Leute wie Pofalla in den Vorstand der Bahn AG erhebt.
Als sei Fachkenntnis kein Grund mehr, in Führungspositionen zu rücken. Das ist halt die Handschrift von Merkel.
Hinzu kommt für die Tübinger und Böblinger Betreiber der Ammertalbahn, dass sie in Herrenberg mit einem verkehrlichen Riesen zu tun haben. Die S-Bahn hat erst im vergangenen Jahr erkennen lassen, dass es ihnen Wurst ist, ob die Fahrgäste ihren Anschluss in Richtung Stuttgart und noch mehr in Richtung Tübingen schaffen.
Aus dieser Not (der Fahrgäste) ist ein neuer Teilnehmer-Typ geschaffen worden: der Renner, der um jeden Preis seinen Anschluss schaffen muss. Dass dies oft misslingt, ist ganz offensichtlich nur eine lästige Begleiterscheinung.
Schnaitmann, der über eine langjährige Erfahrung in der Auseinandersetzung mit dem Unmöglichen des öffentlichen Nahverkehrs verfügt, ist Realist genug, wenn er sagt, dass er so etwas wie »Interessenkoalitionen« schaffen muss, um dem, sagen wir mal, Nahverkehrsgegner klar zu machen, dass schiere Größe nicht alles sein kann, sondern dass Zusammenarbeit beiden Seiten nützt.
Kommt noch die Frage, die im nächsten Jahrhundert gelöst werden muss: Wann kann man damit rechnen, dass die Spitze der Deutschen Bahn sich wie eine echte Unternehmensspitze darstellt? Vielleicht sollte man dann auch endlich die Politik aus dem Geschäft heraushalten.
Oder man fragt die Schweizer SBB, wie sie die Schiene attraktiv gemacht hat.