Stocksauer sind viele Kiebinger und Rottenburger Landwirte und auch etliche Bürger auf die Stadt Rottenburg. Zankapfel ist das geplante Gewerbegebiet Galgenfeld zwischen Rottenburg und Kiebingen. Am Samstag formierte sich geballter Bürgerwiderstand gegen das geplante Gewerbegebiet – rund 200 Menschen machten hierbei in einer großen Protestaktion ihrem Unmut Luft. Mittlerweile hat sich auch ein Aktionsbündnis »Nein zum Galgenfeld« zusammengefunden, auf Hochtouren läuft dabei das Sammeln von Unterschriften. Doch Halt – macht dies eigentlich Sinn? Müsste man nicht eher daran denken, dass weitere Arbeitsplätze in Rottenburg entstehen können? Zudem sind die anderen Gewerbegebiete in der Kernstadt, in Seebronn und Hailfingen sowie in Ergenzingen-Ost bereits fast alle gefüllt. Würde da ein neues, immerhin 23 Hektar großes Gewerbegebiet Galgenfeld nicht Sinn machen? Nein, sind sich die Landwirte und auch die Mitglieder des Aktionsbündnisses sowie die Bürger einig. Landwirt Volkmar Raidt etwa würde 50 Prozent seines Ackerlandes verlieren, derzeit treibt er 76 Hektar Fläche um. Der Bioland-Betrieb versorgt im Nebenerwerb seine Frau, die vier Kinder und die Oma. Raidt hat Angst, dass so langsam »alles zugekleistert und zugepflastert wird.« Vom Bau der neuen B 28 durchs Neckartal sei er schon »geplagt genug«, nun komme eventuell auch noch das große Gewerbegebiet Galgenfeld. »Das Neckartal blüht auf«, meint der Landwirt und Stadtrat der Freien Bürger sarkastisch. Und er hält dagegen: So gingen mit dem Galgenfeld wertvolle landwirtschaftliche Flächen verloren, zudem stirbt ein regionaler Grünzug und auch eine Kaltluftschneise fürs Neckartal. Darüber hinaus ist das Gewerbegebiet »Galgenfeld« oder »Herdweg« nicht im Regionalplan als solches eingetragen, sondern müsste vom Grünzug zum Gewerbegebiet umgewidmet worden. Der gesamte Ortschaftsrat Kiebingen sowie auch Ortsvorsteher Thomas Stopper und die ehemalige Ortsvorsteherin Kiebingens, Elisabeth Schröder-Kappus stärken den betroffenen Landwirten den Rücken. Thorsten Laue vom Aktionsbündnis sagt, dass es nicht angeht, wie die Stadt agiert. So würde etwa das Naherholungsgebiet am Rammertrand endgültig versiegelt werden, wenn »Galgenfeld« kommt. »Bislang wurden an die tausend Unterschiften gegen das geplante Gewerbegebiet gesammelt. Wir brauchen rund
2 000 bis 3 000, um ein Bürgerbegehren durchzusetzen«, sagt Laue. Elisabeth Schröder-Kappus verrät auch, dass bereits vor zehn Jahren im Gemeinderat über künftige Gewerbegebiete gesprochen wurde. »Damals wurde das Galgenfeld verworfen, weil es eine wichtige Kaltluftschneise ist und nicht im Regionalplan des Regionalverbandes Neckar-Alb verankert ist«, sagt Schröder-Kappus. Damals seien gute Alternativen entwickelt worden, etwa die Äneshalde oder das »Obere Feld« zwischen Rottenburg und Seebronn. Raidt sagt, dass mit dem Bau von Galgenfeld ein wichtiges Stück Heimat verloren ginge. Der Bauer freut sich über den Schulterschluss von Landwirten wie Stadtrat Alfons Heberle, Gregor Rauser, Alfons Vollmer und Joachim Schneider. Was sagt die Stadt Rottenburg dazu? Bürgermeister Hendrik Bednarz betont, dass derzeit ein Gesamtkonzept für Gewerbeansiedlungen in Rottenburg entwickelt wird. Gewerbegebiete wie das »Galgenfeld« oder besser »Herdweg« würden in einer Auspendlerstadt wie Rottenburg wertvolle Arbeitsplätze bringen. Doch halt - wer würde im Galgenfeld arbeiten? Wer heute pendelt, der würde höchstwahrscheinlich im Galgenfeld keinen entsprechenden Arbeitsplatz bekommen. Für Bednarz ist die topografische Lage des Galgenfeldes und auch die Verkehrsanbindung günstiger als etwa in der Äneshalde oder im »Oberen Feld.« Es bleibt also spannend, wie sich die Stadt mit dem Regionalverband zusammenrauft. Und die Bürger werden auch noch ein Wörtchen mitzureden haben!