Nein, der Boris Palmer muss sich nichts vorwerfen. Da verfügt er, die Grünen-Fraktion im Gemeinderat im Rücken, dass die Achse Neckarbrücke-Mühlstraße für Pkw zunächst einmal zwei Monate geschlossen werden soll. Und kaum, dass der Groll vieler Bürger in der Urlaubszeit verraucht ist, könnte er sich sogar vorstellen, sagt er, dass diese zentrale Achse ganze zwei Jahre für Busse und Radfahrer vorgehalten werden soll. Verfügen kann er das sehr wohl, doch er hat jetzt einen vertrakten Weg eingeschlagen: Wenn er es gut findet, dann sagt er den Leute schon, wo es lang zu gehen hat. Dabei bestärkt ihn ganz offensichtlich, dass er zu ganz anderen Fragen, wie Gespräche mit der AfD nach den Wahlen im Osten, durchaus auch Stellung nehmen soll. 

Auch da ist Instinkt gefragt und nicht selten wird deutlich, dass er es vielleicht am besten lassen sollte, weil nicht immer bloß Instinkt gefragt ist. 
Zurück zum Kern: Bekanntlich soll ab dem 20. September bis 15. November in der Mitte der Neckarbrücke ein vier Meter breiter Streifen (ein Zweitrichtungsradweg) eingerichtet werden. Da dann für Pkw kein Platz mehr vorhanden wäre, bliebe nur Platz für Busse, der Individualverkehr müsste anderweitig umgeleitet werden. Wie man jetzt schon weiß, natürlich über die Weststadt und Lustnau, nach den bisherigen Voraussagen jeweils 
3 000 pro Tag. Da Palmer die Ansicht vertritt, dass trotz der Umleitungen so rasch keine Umstellung der Bürger zu erreichen sein wird, umzusteigen, hält er es für angezeigt, dass die Übergangszustand gut und gerne zwei Jahre dauern könnte. 

Die momentan verfügte Sperrung für Pkw soll Klarheit bringen, wie sich Busverkehr und Radler aufeinander einstellen können. Oberstes Ziel ist für den OB: Tübingen muss bis 2030 wie es heißt »klimaneutral« sein, die Emissionen müssen deswegen sinken und der Autoverkehr hat sich diesem Ziel unterzuordnen. 

Keine Frage für Palmer: Die Sperrung der Durchfahrt wird auf Dauer zu einem Rückgang der Pkw-Fahrten im ganzen Stadtgebiet führen. Das heißt heute schon: Die Tübinger stellen sich besser darauf ein, dass sie ihr teures Stück wesentlich häufiger in der Garage lassen müssen als bisher. 

Wie es mit den Studierenden sein wird oder mit den Werktätigen? Da muss sich Palmer schon noch den Kopf zerbrechen, denn so gut ist der Nahverkehr nicht ausgebaut, dass so gut wie alle auf den Pkw verzichten können. Wie steht es, darf man fragen, mit Park-and-Ride? Hat er sich Gedanken gemacht, was passiert, wenn die Stadtbahn schon aus finanziellen Gründen nicht durch den Ort geführt werden kann?
Fast sollte man sagen: Hoffentlich hat er Erfolg mit seinem Anschlag auf die Bürger. Ein Scheitern wäre gleichbedeutend mit einem Abschied vom Rathaus und da würde ihm sicher der eine oder andere noch einen Stein hinterherwerfen.