Kiebitz, Biber oder gar die Natur? Die Tübinger haben sich zur Weihnachtszeit ein feines Geschenk untern Baum gelegt. Weil ganz offensichtlich der Kiebitz im Ammertal zu kurz gekommen ist, soll ihm wie auch anderen sogenannten Bodenbrütern die Möglichkeit gegeben werden, im wahrsten Sinne des Wortes wieder Fuß zu fassen. Das gleiche gilt für Braunkehlchen, Rebhuhn oder auch Grauammer. Da die Vögel, noch in den 90er Jahren des vorigen Jahrhunderts im Ammertal verbreitet waren, dann aber peu a peu verschwanden, hat die Naturschutzbehörde den Plan verfolgt, den Bodenbrütern Raum zu verschaffen. Die Mannen des Servicebetriebs der Stadt Tübingen haben daraufhin weisungsgemäß die Motorsägen angeworfen und entlang der Ammer niedergemäht, was den Vögeln hätte nutzen können. Freilich weiß man auch, dass die Männer nicht gerade mit viel Gefühl ans Gehölz gehen und vielleicht sogar Freude daran haben, das Holz niedermähen zu können.
Dieselbe Freude, aber mehr von der Natur getrieben, hat dort wohl auch ein Biber empfunden, der inzwischen dort auch sein Unwesen betreibt. Gesehen hat ihn noch keiner, doch anhand der Bissspuren am Gehölz durfte man davon ausgehen, dass es einer gewesen sein musste, auch einer, der unter Naturschutz steht.
Jetzt schlägt natürlich das Herz der Naturschützer höher (keine Fledermäuse, keine seltenen Käfer), weshalb das Landratsamt vorsichtshalber die Fällaktion stoppen ließ.
»Im Detail nachjustieren« wollen die Naturschützer nun den gemeinsamen Plan, wobei ganz offensichtlich das Landratsamt der Meinung ist, dass in der augenblicklichen Lage es besser sei, den Schwerpunkt des Schutzes auf die Bodenbrüter zu legen. Will heißen: Es darf weiter flussaufwärts abgeholzt werden, um eine Fläche für »Offenlandarten« zu schaffen. Das sei auf keinen Fall »schädlich« für den Biber, heißt es. Westlich vom Ammerhof allerdings will man nicht weiter roden, wohl, um dem Biber eine Chance zu geben. Der wird Zuspruch wohl kaum brauchen, wie bekannt, beißt der sich überall dort durch, wo es Holz gibt.
Im Übrigen darf sich der Nager sicher sein, dass er weiterhin einer Fürsprecher hat: Der Biberbeauftragte hat schon einmal wissen lassen, dass im Ammertal ganz offensichtlich einer vertrieben werden soll und man auf der anderen Seite einen mit aller Gewalt ansiedeln will. Leider kann man da nicht wie bei dem Aubrunnen danach fragen, wer für das eine oder andere ist.
Es zeigt aber auch, dass der gesamte Naturschutz zum Teil nur noch eine konfrontative Angelegenheit ist, bei der wenig distanziertes Denken gefragt ist. Vielleicht sollte man es einmal mit einem anderen Weg probieren: Warum fragt man die Tiere nicht, wie sie es gerne hätten. Das Ergebnis könnte ganz schön verblüffend sein: Sie könnten es durchaus nebeneinander aushalten. Die Stadt Tübingen könnte ihre Mitarbeiter dann anderswo einsetzen.