Nein, so sollte das Thema nicht weitergehen. Unlängst hatte Thomas Hölsch, der Bürgermeister von Dußlingen, gerügt, dass das Land auf keinen Fall die Idee weiter verfolgen sollte, den Landtagswahlkreis Tübingen noch weiter zu verkleinern. (Wir haben berichtet). Jetzt hat auch noch der Tübinger Landrat Joachim Walter nachgelegt. Er will, da ist er sich mit Thomas Hölsch einig, einen zusätzlichen Wahlkreis schaffen, um damit dem Umstand Rechnung zu tragen, dass der noch geltende Wahlkreis Tübingen von seiner Größe überhand nähme.
Wie bekannt ist, denkt man in Stuttgart darüber nach, die Gemeinden Starzach und Hirrlingen aus dem Wahlkreis Tübingen auszugliedern und dem Nachbarn Balingen zuzuschlagen. Der Gedanke machte durchaus Sinn, denn nach Tübingen sind in den vergangenen Jahren so viele Bürger zugezogen, dass das Limit der Wahlberechtigten über kurz oder lang erheblich überschritten worden wäre. 
Wir wollen nicht vergessen, dass der Wahlkreis Tübingen ohnehin »geblutet« hatte, als zunächst Kirchentellinsfurt und Kusterdingen und dann Gomaringen, Nehren und Dußlingen dem Wahlkreis Reutlingen zugeschlagen worden waren. Mit der erneut aufkommenden Diskussion einer nochmaligen Verkleinerung hatte Hölsch von einem »Zerfleddern« des Landkreises gesprochen, Landrat Walter hält die gegenwärtigen Pläne der Landesregierung für eine »Flickschusterei«. 
Er hat ein schlagendes Argument auf seiner Seite: Wahlkreise sollten nach Möglichkeit eine »politische Landschaft abbilden«. Und da jetzt schon vorauszusehen ist, dass der Wahlkreis Tübingen die verfassungsgemäß zulässige Grenze von 25 Prozent der Wähler über dem Durchschnitt in absehbarer Zeit überschreiten wird, wäre es seiner Ansicht sinnvoll, wenn man jetzt nicht überhastet auf eine Regelung drängen würde. 
Walter hat in einem Interview ganz klar bekannt, dass er bei Gesprächen in Stuttgart gefordert habe, dass der Landtag in der aktuelle Wahlperiode einen Beschluss fassen müsse, dass sein Nachfolger eine neue Walkreiseinteilung beschließen müsse. Nach Walter Logik könnte das dann nur bedeuten, dass der Regierungsbezirk Tübingen den 71. Wahlkreis erhalten müsse.
Wie dann dieser Wahlkreis aussehen könnte, vermag auch Walter noch nicht zu sagen. Vielleicht gäbe es dann Tübingen I und Tübingen II, vielleicht auch Tübingen-Stadt und Tübingen-Land. 
Ob eine Änderung des Landeswahlgesetzes für CDU und Grüne in Frage kommen wird, ist offen. Schon die Prüfung von Vorschlägen aus dem CDU-Kreisverband Tübingen hatte die Landes-CDU erstmals gar nicht diskutieren wollen. Nun will sie es zumindest einmal prüfen, heißt es. Das ist durchaus auch ein klarer Hinweis, dass der Wahlkreis Tübingen für die CDU in Stuttgart nichts zu melden hat (wer vertritt ihn gerade in der Landeshauptstadt?). Und: Bei der in Berlin inzwischen lebhaften Auseinandersetzung über die Verringerung der Sitze im Bundestag, von Parlamentspräsident Wolfgang Schäuble dingend gefordert, will ganz offensichtlich keiner gerne seine Pfründe aufgeben.