Das ist schon eine ganz vertrackte Geschichte. Da verfolgt der Tübinger OB mit seiner bekannten Hartnäckigkeit ein durchaus ehrenwertes Ziel und doch muss er jede Menge Steine aus dem Weg räumen. Die Rede ist von der, neudeutsch gesagt, möglichen Flatrate im städtischen Busverkehr. Das Land hat den Kommunen Mut gemacht, den Pkw-Verkehr dadurch zu reduzieren, dass sie künftig den Öffentlichen Nahverkehr zum Nulltarif anbieten. Das hat sich der Parteifreund von Verkehrsminister Hermann und Fahrradfahrer Palmer zu Herzen genommen.
Er hat zusammengerechnet, dass die vorausberechneten Kosten von 14,5 Millionen Euro im Jahr durch eine Erhöhung der Gewerbesteuer (vier Millionen Euro), der Grundsteuer (fünf Millionen Euro), der Einführung einer Bettensteuer (500 000 Euro) finanziert werden können, fünf Millionen Euro sollen aus dem Vermögenshaushalt entnommen werden.
Etwas mehr als sechs Millionen nimmt die Stadt zurzeit aus dem Ticketverkauf ein. Und was jetzt? Sicherlich wird der Gemeinderat noch in der nächsten Woche darüber befinden, wann die Bürger in einer Befragung abstimmen sollen, ob sich Palmer demnächst mit steuerlichen wie auch rechtlichen Fragen intensiver befassen soll.
Besonderes Lob über seine Vorstellungen hat er sich bisher nicht abgeholt. Und das wird sich wahrscheinlich auch so rasch nicht ändern. Allein die Steuererhöhung werden in Teilen der Stadtgesellschaft erheblichen Widerspruch finden. Dann sollte sich Palmer keine Illusionen darüber machen, dass durch den Rückgriff auf den Vermögenshaushalt (fünf Millionen) eine erhebliche Belastung für die kommenden Jahre sein werden, auch in Jahren, in denen die Steuern nicht so stark sprudeln werden.     


Und schließlich sollte er nicht vergessen, dass die Kommune in den nächsten Jahren neue, abgasarme Busse anschaffen will. Das kosten auch trotz staatlicher Förderung. 
Hat da nicht auch jemand von der Stadtbahn gesprochen? Diese Diskussion soll jetzt wohl nicht mehr geführt werden. Keine Frage, solange wir von der Elektrifizierung der Ammertal, der Ermstal- oder der Schönbuchbahn reden, wird das noch machbar sein. Wenn aber die Stadtbahn durch Tübingen führen soll, dann sind die Kosten so hoch, dass von einer Flatrate nicht mehr die Rede sein wird.
Und nun? Es ist niemand verwehrt, in die Zukunft zu blicken. Es ist auch niemand untersagt, das fast Undenkbare zu denken. Dann sollten die Stadtväter aber auch darüber nachdenken, ob eine Kabinenbahn vom Bahnhof auf den Schnarrenberg geführt werden kann. Jetzt schon über eine Mooswand nachzudenken, solange die Dieselbusse durch die Stadt stinken, ist fast abwegig. Die Dieselbusse können nichts dafür, gewiss, genauso wenig wie die PKW, die auf der
B 27 verkehren. Denen haben die Stadt und deren Bürger über Jahrzehnte hinweg eine entlastende Straßenführung durch Uneinigkeit verweigert. Und jetzt müssen sich Stadt und Bürger die Frage stellen, ob in absehbarer Zeit die Mittel für einen Schindhautunnel bereitstehen. 
Denkt man an die B 28, dann hat die Denkpause zu einer Lösung geführt, die den Verkehr zwischen Tübingen und Rottenburg kaum mehr entlastet. Da hilft auch alles Bettenschütteln nicht mehr.