Eigentlich hätte die Baustelle in der Tübinger Mohlstraße längst eingestellt sein sollen, doch von Nahem betrachtet ist die Abbiegespur von der Westbahnhofstraße nach links zum Schlossbergtunnel inzwischen halbseitig gesperrt – die Stadt Tübingen tut zur Zeit alles, um den Verkehr um jeden Preis im Stau zu halten. Schlagzeile des Schwäbischen Tagblatts vom 7. November: »Am Freitagnachmittag (3.11.) ging in Tübingen gar nichts mehr.«


Das ist in Tübingen allerdings schon längst keine Schreckensmeldung mehr. Es geht schon seit Wochen so: Das Regierungspräsdium muss auf Teufel komm raus die B 28 zwischen Tübingen und Unterjesingen mit einer neuen Fahrbahndecke versehen. Und weil die Sperrung nicht ausreichend genug war, hatte man vergangene Woche auch nochmals gesperrt, weil der alte Straßenbelag, der am Rande lag, abtransportiert werden musste. Klar, dass der Verkehr Unterjesingen-Rottenburg auch noch leiden musste, die Straßenbaubehörde ist südlich von Wurmlingen an der Abzweigung zum Nordring und zur Autobahn auch noch am Werkeln.


In Tübingen selber geht es seit Wochen schon die Wilhelmstraße entlang, mal rein und mal raus, zur Zeit, wie auf dem Foto zu sehen, auch mal in der Mitte. Man kann sich gar nicht mehr vorstellen, wie die West-Ost-Achse früher in ungeöffnetem Zustand mal ausgesehen haben mag. Hinzu kommt, dass die Ampeln an der Adler-Kreuzung trotz entgegenlautender Versicherung doch weiterhin so geschaltet waren, als gäbe es nur noch den normalen Verkehr. Und dieser Verkehr, ein weiteres Leid, war schon schlimm genug.

Sonst noch was? Klar, da war die B 28, die Reutlinger Straße, zwischen der Blauen Brücke und der Ludwigstraße. Sie musste übers Wochenende mit einem neuen Fahrbahnbelag versehen werden. Klar auch, dass die Stadt übers Wochenende die Bundesstraße auf dem kurzen Stück komplett sperrte, der Verkehr sich seinen Weg über die Hechinger Straße (Tempo 30) und die B 27 suchen musste.
Es ist verständlich, dass die Straßenbauer vor dem Winter ihre Arbeit hinter sich bringen wollen. Es ist aber nicht verständlich, dass jede Möglichkeit genutzt wird, den Verkehr zu beeinträchtigen. So nimmt die Buslinienführung fast schon Bundesbahn-Ausmaße an.
Das Schweickhardt-Areal und der Wennfelder Garten waren am vorvergangenen Wochenende ganz vom Busverkehr abgehängt. Von Verspätungen auf anderen Linien wollen wir noch gar nicht reden.


Bleibt noch die B 27 zwischen Walddorfhäslach und Pliezhausen, wo neben einer Brücke auch die Fahrbahn erneuert wird.
Dieser Eingriff wird die Autofahrer noch weitere Monate plagen – in beide Richtungen. Und ausgerechnet auf dieser Strecke passieren mehrere Unfälle, die den Schluss nahelegen, dass die Absperrungen vor allem auf Autofahreseite irritieren. Da hätten sich die Planer vielleicht besser vor dem Bau den Kopf zerbrechen können, ob alle Bauphasen auf einmal abgewickelt werden sollen.


Tut man sich schon schwer, die Autofahrer zu verstehen, so tut man sich bei der Aktenlage noch schwerer, die Planer zu verstehen. Vielleicht sollte man auch in Zukunft den Weg Singapurs gehen: Der Stadtstaat will wirklich die Zahl der Fahrzeuge begrenzen. Das würden nicht einmal die Grünen fordern. Wenn man Autos abschaffen würde, müsste man im Übrigen auch nicht mehr klagen. Das aber wollen wir uns nicht nehmen lassen.  Vielleicht teilen wir in Zukunft den Straßenbauern den Spaten per Volksentscheid zu.