Nein, man kann nicht sagen, dass sich in Tübingen nichts tut. Und diese Bemerkung bezieht sich nicht auf die vielen Baustellen, seien sie auf der Straße und auf der Schiene. In vielen Teilen der Unistadt schießen nicht nur Gewerbegebäude in die Höhe, es sind vor allem Wohnhäuser, die nach außen Eindruck machen.
Zunächst ist es einmal Tübingens aktuell größte Baustelle am alten Güterbahnhof. 157 Mietwohnungen sollen dort auf neun Hektar entstehen, 93 davon sind Sozialwohnungen. Diese sollen ausschließlich an Menschen mit Wohnberechtigungsschein vermietet werden. Die Nürnberger Umweltbank finanziert das Projekt, die Miete soll bei 7,50 Euro pro Quadratmeter liegen. Wie hoch die Miete bei den frei finanzierten Wohnungen liegen wird, steht noch nicht fest. Anfang 2018 sieht man genauer hin, denn dann sollen diese an den Mann oder die Frau gebracht werden. Das Projekt als Ganzes soll Ende 2018 fertiggestellt sein. 
Geplant sind indes auch fünf Gewerbeeinheiten. Es wird neue Räume für den Tübinger Tafelladen geben, ebenso wird dort das Zentrum für Gemeindepsychiatrie unterkommen. Wichtig: Es sind 149 Stellplätze in Tiefgaragen vorgesehen, 55 Plätze gibt es unter freiem Himmel – und: Es wird 325 Fahrradstellplätze geben. Am Ende könnten hier
eintausend neue Bewohner einziehen. Die Rendite wird mit drei Prozent angegeben, nicht eben groß, dafür mehr als vorzeigbar in einer Stadt, in der scheinbar gar nichts mehr geht, Wohnraum knapp und überwiegend teuer ist.
Zudem kommt in unmittelbarer Nähe ein neues Viertel dazu: der Neckarbogen.
Auf dem ehemaligen Areal der Firma Sidler zwischen Bismarck- und Schaffhausenstraße sind acht Mehrfamilienhäuser entstanden, es gibt dort 81 Wohnungen von 27 bis 200 Quadratmetern, hinzu kommen noch neun Gewerbeeinheiten. Die Eigentumswohnungen waren ruck, zuck verkauft. 30 Prozent der Käufer sind Selbstnutzer. 
Besonders ins Auge stechen die Gebäude in der Haußerstraße. Dort sind in den fünf Häusern, wie es heißt, 37 Wohnungen für gehobene Ansprüche entstanden, Wohnungen, die zwischen 60 und 140 Quadratmetern groß sind. Bei einem Quadratmeterpreis von 4 500 Euro kommt das Projekt locker auf knapp 17 Millionen Euro. Bleibt bei dem knappen Überblick noch die Corrensstraße; dort, wo früher das Max-Planck-Institut Gewächshäuser stehen hatte. Die Versorgungsanstalt für Ärzte, Zahnärzte und Tierärzte will dort insgesamt 83 Mietwohnungen errichten. Dem Vernehmen nach sollen zehn Prozent der Wohnungen gefördert worden sein. 
Probleme mit den Nachbarn hat es bislang nur in der Corrensstraße gegeben. Dort haben Bewohner von Gegenüber erhebliche Bedenken gegen die Dichte der Bebauung geäußert, sie machen sich auch Sorgen, ob in dem neuen Viertel fußläufige Einkaufsmöglichkeiten entstehen können. 
Abgesehen von dem Güterbahnhof wird der »normale« Mietwohnungsmarkt kaum von den Neubauten profitieren. Tübingen wird noch im Westen, in Derendingen, weitere Baugebiete erschließen müssen, um dem Wohnbedarf entgegenzukommen. Ob das dem normalen Mieter nutzt, bleibt offen. Da tut sich für die städtische GWG ein weites Feld auf. Ansonsten steht zu erwarten, dass sich Benachteiligte wesentlich lauter als bisher zu Wort melden werden.