Es ist doch immer wieder dasselbe: Die Stadt Tübingen hat eine Uni, die sie ausmacht, die Uni wächst und wächst – und braucht Platz. Das hat es nach dem Krieg gegeben, als das Klinikum in seinen wesentlichen Teilen auf den Schnarrenberg verlagert worden war. Das war auch Thema, als das Klinikum erweitert worden war und jetzt stößt es schon wieder an seine Grenzen. Da auf dem Berg so gut wie kein Platz mehr frei ist, eine Ausdehnung am Steinenberg in Richtung Aussichtsturm nicht infrage kommt (da will die Stadt nicht), hatte der Gemeinderat im Dezember beschlossen, 3,5 Hektar in der Oberen Sarchhalde unterhalb der Naturwissenschaftlichen Institute und die gleich große Fläche auf dem Oberen Schnarrenberg als Sonderbauflächen zur Verfügung zu stellen.
Das war einer Initiative zu viel des Guten. Sie suchte Mitstreiter und am Ende fanden sich knapp 3 000 Unterzeichner, die sich an den Petitionsausschuss des Landtags wandten.
Der kam auch prompt nach Tübingen und schaute sich die Lage an.
Er bekam zu hören, das künftige Gebiet sei für die Frischluftzufuhr im Tal unersetzlich, ganz abgesehen davon, dass eine ganze Reihe von Faltern und Fledermäusen sich dort niedergelassen hätten. »Die Vernetzung ist von unglaublichem Wert« heißt es bei der Initiative, Liebhaber des Tals sprechen sogar von einem »Central Park«, dort könne unmöglich gebaut werden.
Und weiter: Das Tal entlang des Käsenbachs müsse »als Gesamtensemble für künftige Generationen« erhalten bleiben.
Dem gegenübersteht, man mag es beklagen, die Wirklichkeit: Der Petitionsausschuss hat bei seinem Besuch zu erkennen gegeben, dass er auf keinen Fall eine Ratentscheidung kippen könne. Schließlich wird auch noch der Nachbarschaftsverband ein Wort mitreden. Ein Flächennutzungsplan ist eben Hoheitsrecht der Kommunen und dagegen wird sich auch der Ausschuss nicht wenden. Und, so Norbert Beck, Mitglied des Ausschusses, entscheidend sei, ob die Kommune bis jetzt ein Fehler unterlaufen sei. Klagen könne die Initiative dann, wenn ein Bebauungsplan aufgestellt sei (dann braucht man zunächst einmal keinen Petitionsausschuss mehr).
Und was den Unmut der Initiative angeht: ...
Das Klinikum hat kaum andere Möglichkeiten, sich in der näheren Umgebung auszudehnen, auch haben sie Palmer deutlich zu verstehen gegeben, dass eine Aufstockung bestehender Bauten nicht infrage komme. »Wir sind an der Grenze des Machbaren, was die Nachverdichtung angeht«, sagte Andreas Hölting, der Leiter des Amts für Bau und Vermögen.
Vielleicht noch ein Argument zum Thema Naherholungsgebiet: Auch wenn noch ein Bauernhof am Hang steht, so hat OB Boris Palmer bei der Anhörung zu verstehen gegeben, dass er in der näheren Umgebung zehn lauschigere Einschnitte kenne. Und was die Kaltluftzufuhr angeht, sieht Palmer keine Einschränkung. »Sonst hätten wir das nicht gemacht«, sagte er knapp.
Das war es dann.