Zu groß. Zu wuchtig. Zu kantig. So oder so ähnlich lauteten die Kommentare zum Bahnhofsanbau im Gemeinderat. Doch eigentlich kann man froh sein, dass sich in der Endlosschleife der Planungen zum Umbau endlich etwas tut. Denn jetzt gab es einen richtigen Ruck, und so soll schon bald gebaut werden. Entstehen soll etwas fürs Auge, zudem soll der neue Bahnhofsbau alltagstauglich sein. Da das Gebäude denkmalgeschützt ist, darf es keinen Abriss geben, der Bestand wird aber saniert und restauriert. Im Erdgeschoss wird es ein »Brezelhaus« geben, hier wird eine Bäckerei an zwei Verkaufstheken Backwaren unters Volk bringen können. Zudem zieht dort ein Restaurant ein. Im ersten Obergeschoss sollen Arztpraxen und Büroräume entstehen. Um hier die Nutzung auch für beeinträchtigte Personen zu ermöglichen, ist ein Aufzug zwingend notwendig. Der Aufzugskomplex wird aus lichtdurchscheinendem Material gebaut, so dass eine Transparenz gegeben ist, die den Gebäudeanbau leichter erscheinen lässt. Woran sich die Geister derzeit scheiden, ist die Aufbewahrungsbox für Fahrräder und das Thema Fahrradaufbewahrung am Bahnhof allgemein. Vielen Gemeinderäten gingen die Planungen für die Sanierung des Bahnhofes nicht weit genug – gefordert wurde, dass auch der Bahnhofsvorplatz samt Busbahnhof gerichtet wird. Hier sind einige hundert Fahrräder an verschiedenen Orten »wild« angekettet. Dieses Problem zumindest soll durch Radstellplätze am Bahnhof gemindert werden. Ob es endgültig gelöst werden kann, ist mehr als fraglich. Einige der Radabstellplätze sollen auch überdacht werden.
Dies ist zumindest ein Schritt in die richtige Richtung - dann werden die Radbuchten auch angenommen. Eine inhaltslose Nullnummer also ist die Planung zum Umbau des Bahnhofs nicht, doch sicherlich noch nachjustierbar. Parkplätze werden entlang der Poststraße entstehen, keine Frage. Dazu werden auch mehrere Bäume gefällt. Doch dass die Schotterparkplätze hinter dem Bahnhof bestehen bleiben und zunächst erst mal keine Tiefgarage dort gebaut wird, leuchtet nicht ein. Weshalb kann nicht eine Planung aus einem Guss gemacht werden? Gut, die Bundesbahn will den Bahnübergang separat umgestalten, hier wird auch demnächst gebaut. Doch warum bei all den vielen Planungsentwürfen nicht auch ein Parkhaus einplanen? Schade, und eine Unterführung zum Parkhaus wäre dann auch nicht schlecht gewesen. Wenn schon der Bahnübergang neu gemacht wird und auch der Platz vor dem Bahnhof zumindest einen neuen Belag bekommt. Man darf jedenfalls gespannt sein, ob der bislang verwahrloste und in die Jahre gekommene Bahnhof so edel, neu und schön werden wird wie angekündigt. Doch genug der Unkenrufe. Positiv ist, dass der bröckelnde Putz am denkmalgeschützten Haus erneuert wird, dass neue Ideen ins Spiel kommen und dem Planer kein Maulkorb verpasst wurde. Zumindest das Denkmalamt hat keinen Maulkorb verpasst. So wurde der etwas große Aufzugsanbau akzeptiert, und auch der gewagte Entwurf zur Umgestaltung des Innenbereiches, in dem auch ein Fahrkarten- und Reiseschalter untergebracht wird, bekam von der Denkmalseite grünes Licht. Da kann man die Aufregung im Gemeinderat nicht verstehen, und auch den Wirbel, den die Planungen verursachten. Man darf gespannt sein, was in zwei, drei Jahren zu sehen ist. Oder ob nicht wieder alles in der Schublade verschwindet...Das wäre fatal, denn in den vergangenen Monaten hat sich der Bahnhof zum regelrechten Schandfleck entwickelt, der auch dubiose Gestalten anlockt, zumindest in der Nacht. Da würde ein neues Gesicht für den Staghdteingang nur guttun. Daumen hoch also für die Planungen des Freudenstädter Architekturbüros.