Bleibt er stehen oder muss er schon der Ordnung halber weichen? Dem weißen Baum, den der Entringer Künstler Kurt Hohndorf zwischen Café Lieb und Zinser in Tübingen aufgestellt hat, soll es jetzt an den Kragen gehen. Die Unistadt hat Hohndorf eigentlich bis vergangenen Freitag einen, wenn man so will letzten Termin gesetzt. Gestern stand er, der Baum, allerdings noch da. Inzwischen kann sich Hohndorf kaum mehr darauf berufen, dass, anders als im Juni des vergangenen Jahres, Passanten das schöne Stück als echte Bereicherung für den öffentlichen Raum betrachten. Die eisige Luft, die seit Tagen auch in Tübingen regiert, hat die sonst so schwer kalkulierbaren Gefühle der Bewohner wohl erkalten lassen. Dabei hatte vergangenes Jahr alles so zufriedenstellend angefangen. Kurt Hohndorf, vielen im Kreis Tübingen zumindest durch seinen Strohhut, der nicht vom Kopf weichen soll, bekannt, hatte den bandagierten Birnbaum der Bevölkerung Tübingens nur auf Zeit vermachen wollen. Hinzu kam, dass er auch für die Transportkosten aufkommen wollte, es sprach von einer »Mission«, die es auch rechtfertige, eine Verlängerung, über Oktober hinaus, zu beantragen. Pech für den Mann mit dem eigenen Geschmack: Er hatte als Gegenpart bei der Stadt weniger die Kulturverantwortlichen, sondern mehr die Öffentliche Ordnung gegenüber. Und ohne dem Kulturmanagement der Stadt zu nahe zu treten, scheint sich da immer noch nicht viel Konzeption abzuzeichnen. Und für das Ordnungsamt kann es eigentlich nur darum gehen, ob man sich auf die Zusagen des Künstlers verlassen kann oder nicht.

Ihm noch ein weiteres Mal entgegenzukommen, das scheint außerordentlich schwierig. Schließlich hat er die Kommune, wenn man es so will, einfach hängen gelassen. Dass Hohndorf behauptet, eine weitere Kommune sei an einer Mission jetzt auch interessiert, ist schwer auszuloten. Dass sich an der misslichen Lage etwas ändern könnte, wenn er sich an den Oberbürgermeister wenden sollte, darf bezweifelt werden. Der hatte schon im Wahlkampf vor neun Jahren bekannt, dass Kultur nicht sein Thema sei.
Und nun? Eigentlich könnte man den hohlen Baum durchaus an der Stelle stehen lassen. Er ist attraktiv, füllt den Raum aus und hat auch eine Mission. Übrigens: Gewidmet hat Hohndorf sein Projekt dem früheren Mitherausgeber der FAZ, Frank Schirrmacher.
Was nicht geklärt wäre: Wie steht es mit der Haftung (Gott sei Dank kommt hier Brandschutz nicht infrage)? Wie verfährt man, wenn wieder einer einen Baum bringen würde? Vielleicht könnte die Klärung dieser Frage dazu beitragen, dass die Kunstkommission endlich einmal Farbe zeigte, statt ständig darauf zu warten, dass sie wachgeküsst wird. Der frühere Oberbürgermeister Eugen Schmid hatte versucht, Kunst im öffentlichen Raum auszustellen. Weit ist er leider nicht gekommen und wenn man daran denkt, wie oft der König auf dem Fahrrad am Nonnenhaus malträtiert worden ist, könnte man fast sagen, Gott sei Dank.