Das hat die Tübinger Gemüter ganz schön auf Trab gebracht: Gerade rechtzeitig zum Frühjahrseinbruch hat die Mehrheit der Eisdielenbesitzer den Preis für die Kugel Eis auf ein hohes Niveau gesetzt: Sie soll jetzt für 1.50 Euro zu haben sein, 30 Cent mehr als bisher. 
Klar, dass bei diesem Lebensmittel, oder sagen wir: Lustmittel, der Laufkundschaft die Zunge im Mund gelähmt scheint.
Die bunten Behälter in den Auslagen, die so im Vorbeigehen in die Augen stechen und so viele Ahnungen freisetzen, kann einfach nicht so teuer sein, denn schließlich zerfließt die Kugel mir nichts, dir nichts im Mund. 
Besonders clever haben sich die Eisdielenbesitzer indes nicht verhalten. Sie haben eingeräumt, dass sie den Preis für die Kugel in gemeinsamer Runde festgesetzt haben. Das klingt natürlich nach einer Preisabsprache, für die sich die Kartellbehörde interessieren könnte.
Natürlich muss auch der Konsument anerkennen, dass die Preise für die Rohware steigen, dass die Eishersteller in ihre Betriebe investieren müssen – und schließlich muss auch noch was dran verdient sein.
Dass das Maß für die Kugel gleich groß geblieben ist und der Eisportionierer nicht vielleicht eine Illusion übrig hält, es könnte sich in der noch frischen Saison so viel doch nicht verändert haben, hätten die Gelatieri doch vorher überlegen können, ob sie den Verbraucher nicht mit einem attraktiven Angebot überraschen können.
An Farbe, Fantasie oder auch Geschmack haben sie sich doch auch nicht lumpen lassen, dann könnte es doch mal die Präsentation sein, mit der man die Schlecker überrascht. Wenn man sieht, wie nicht selten statt 500 nur noch 400 Gramm-Packungen angeboten werden – wer kann heute noch im Dreisatz rechnen – dann werden die Eishersteller doch eine Idee entwickeln können, wie der Kunde auch bei höheren Preisen ihnen das Eis aus der Hand nimmt. Lächeln allein dürfte dabei nicht genügen, wäre für den Anfang aber schon mal gut.
Vielleicht könnte man ja am Hörnchen arbeiten – es muss ja nicht immer so aussehen, wie es man es bisher gewöhnt war. Vielleicht kann man auch darüber nachdenken, wie man vermeiden kann, dass einem das Eis unentrinnbar in die Hand läuft. 
Die Eishersteller haben einfach das »Pech«, dass ihr Produkt tatsächlich und direkt von der Hand in den Mund geht, man sich diese Produkte (und den Preis) förmlich auf der Zunge zergehen lässt. Anders als beim »normalen« Einkauf, bei dem die Einzelpreise mehr oder weniger in der Endsumme untergehen, fällt eine Preiserhöhung beim Eis sofort auf. Keine Frage: Die Erregung wird sich legen so wie das Eis irgendwann mal schmilzt. Die Eishersteller werden sich was einfallen lassen, um uns zu reuelosem Schlecken zu verführen. Es muss ja nicht alles am Geld hängen.