Endlich ein Ende mit dem Pillepalle? Da hat die schwerfällige Merkel wieder einmal versucht, einen Pflock einzurammen. Die Freitagsdemonstrationen und das in der Folge verheerende Abschneiden der (einst?) großen Parteien bei der Europawahl haben der Bundeskanzlerin klar vor Augen geführt, dass ein »weiter so« auch am Ende ihrer Amtszeit nicht länger haltbar sein kann.
Das hatte der Tübinger Oberbürgermeister Boris Palmer schon längst erkannt. Er, der sich monatelang mit Flüchtlingsproblemen auseinandersetzte und in ein tiefes Loch zu fallen schien, hat wieder Schwung geholt. Jetzt tritt er munter mit einem Zehn-Punkte-Programm auf und spricht ungeniert von einer »autofreien Innenstadt«, Gratisbus und »Holzbaupflicht«. Und man hat den Eindruck, dass der, der nicht mitziehen will, zurückgelassen wird. Keine Frage, wenn die Klimaziele eingehalten werden sollen, dann muss auch Tübingen Flagge zeigen.Den Klimanotstand ausrufen, wie dies in Konstanz der Fall war, wird man nicht müssen, aber der Aktionsplan sieht erhebliche Einschränkungen vor. So sollen zunächst einmal alle Stellplätze in der Stadt gebührenpflichtig werden. Dann soll es eine autofreie Zone in der Innenstadt geben, ganz so oder ähnlich wie er es bei seinem Besuch in Oslo gesehen und erfahren hat. Städtebaulich gehe es ihm, hat er wissen lassen, um die Altstadt, das südliche Stadtzentrum und die Wilhelmvorstadt. Dort lebten so viele Menschen, dass genau dort klimafreundliche Mobilität Sinn mache, um das gesteckte Ziel zu erreichen.
Doch auch wenn Palmer schon wegen des örtlichen Handels sich klar dafür ausspricht, dass die Parkhäuser gut anfahrbar sein müssen, müsse der Durchgangsverkehr um den »Vorrangbereich« herumgeleitet werden. Zwei Rahmenbedingungen will Palmer aber setzen: Es dürfe über kurz oder lang kein Durchgangsverkehr auf der Strecke Blaue Brücke – Universität mehr geben. Und, das ist indes nichts Neues: Der Einbahnring um den Alten Botanischen Garten wird aufgelöst.
Dann wird, sollte die Stadtbahn tatsächlich durch Tübingen fahren, darüber nachgedacht werden müssen, wer noch die Wilhelmstraße in Richtung Osten fahren darf. Palmer spricht jetzt von einer »Miteinanderzone« für Fuß, Rad und Bus.  Und noch etwas hat sich der Tübinger OB vorgenommen: Der Neubau des Europaplatzes könnte der Auftakt für eine neue Vorrangzone zwischen Bahnhof und Uhlandstraße werden, der Autoverkehr ende dann eben am Parkhaus vor dem Bahnhof. Punktum.