Sollen wir jetzt auch mit Mesut Özil anfangen? Auch wenn es dazu genug zu sagen gäbe, überlassen wir in diesem Fall das Feld den anderen. Was aber die lokale Auseinandersetzung über Flüchtlinge, über Seenotrettung und über Menschlichkeit zu sagen haben, darüber sollte man, hoffentlich zum letzten Mal, doch noch ein Wort reden.
Ausgelöst wurde die Debatte, natürlich, durch Tübingens OB Boris Palmer, der neben den klassischen Faßanstichen doch noch noch in die Welt hinausrufen wollte, was er in Sachen Ausländer, genauer: Flüchtlingen, zu sagen hat. Entgegen kommt ihm dabei sein Drang, auf Facebook Aufmerksamkeit zu erregen.
Zunächst ist Palmer ganz einfach selber Schuld. Er hat sich in jüngster Zeit sehr weit aus dem Fenster gehängt, hat sich dort aufs Trittbrett geschwungen, wo er am besten und am sichtbarsten mitfahren konnte. Er hat dann unter anderem auch Innenminister Seehofer dabei beraten wollen, wie er den Karren wieder aus dem Dreck ziehen kann, er hat sich mit der »Zeit« zusammengetan, weil man sich dort ganz offensichtlich auch in der Sprache vergriffen haben wollte. 
Dort stand zu lesen, dass man bei der Abwägung von Seenotrettung »das« vielleicht unterlassen sollte. Dabei sollte das »das« nicht zum Trugschluss verleiten, dass man die Flüchtlinge ertrinken lassen sollte, sondern es war das Schlauchboot-Rettungsschiff-Europa gemeint. 
Für Palmer ist Seenotrettung in diesem Fall keine Rettung, sondern bestenfalls »bewusst geschaffene Seenot«.
Man kann Palmer in manchen Punkten bewusst zustimmen, man muss sich aber fragen, ob er den Widerstreit nicht besser sich und in aller Stille ausmachen will. In zahlreichen Leserbriefen hat man ihm diese, seine, radikale (?) Haltung vorgeworfen, unter anderem auch, dass er zuerst Menschen »denunziere«, die versuchten, andere Menschen aus Seenot zu retten. Um das zu untermauern, liefere er »abenteuerliche und von jeglicher Kenntnis der deutschen Grammatik ungetrübte Interpretation seiner Aussagen«. Auf dieser Vermutung basiert für den Schreiber die Erkenntnis, »dass Palmer charakterlich und intellektuell für ein öffentlich Amt untauglich« sei. 
Das ist starker Tobak und der Schreiber wird bei aller Aufgeregtheit innehalten müssen, denn die Vorwürfe passen ganz einfach nicht. Palmer hat genug Charakter und auch genug Profil, um OB in Tübingen zu sein. Doch wer sein Facebook-Profil durchstreift, wird feststellen können, dass er vielleicht des nachts mal die Kiste abgeschaltet lassen könnte. 
Dergleichen Meinung sind auch die Mitglieder des Grünen-Kreisverbands. Sie halten es für »inakzeptabel«, den von ihm formulierten »Menschenrechtsfundamentalimus« im Zusammenhang mit der Verteidigung der Seenotrettung Ertrinkender zu verwenden. Der Begriff »verspotte« Menschen und Organisationen, die sich der Verteidigung und Durchsetzung der Menschenrechte einsetzten. 
Hinzu kommt noch ein wohl scherzhaft gemeintes und auf Facebook rosa gestrichenen Foto des Europaplatzes das wohl dann das Fass zum Überlaufen gebracht hatte. 
Die Grünen erwarten von Palmer eine Entschuldigung - und dass er in Zukunft mehr auf seine Wortwahl achten möge. Da werden sie sicher noch dickere Bretter bohren müssen.